KOMMENTAR: KAIJA KUTTER ÜBER PRAXISLERNTAGE

Die Verwertungsfrage

Die Schüler sollen in Klasse 9 und 10 einen Tag pro Woche in den Betrieb, damit sie schneller eine Ausbildung finden. Dazu muss man wissen: Praxislerntage sind keine ganz neue Erfindung. Auch die früheren Haupt- und Realschulen hatten, bevor sie mit den Gesamtschulen zu Stadtteilschulen fusionierten, diese fest im Programm.

Die Übergangsquoten von der Schule in den Betrieb waren trotzdem bescheiden. Denn viele Lehrstellen gehen an Abiturienten. Deshalb kommt es drauf an, die jungen Menschen optimal zu bilden und ihnen die Zeit zu geben, ihre Potenziale zu entfalten. Dazu kann an einer Schule auch der Praxislerntag gehören. Eine Auszeit von Schulen, das Kennenlernen der realen Arbeitswelt, kann lernmüde Schüler motivieren. Aber das müssen tolle Projekte sein. Einfach am Regal im Supermarkt zu stehen, bringt es nicht.

Und den Betriebstag gleich über zwei Jahre zur Pflicht für alle Stadtteilschulen zu machen, auf Kosten des Wahlpflichtunterrichts, also jener Fächer, die eher Spaß machen, signalisiert: Hier wird die Verwertungsfrage früh gestellt. Die 10. Klassen der Stadtteilschulen werden zudem gespalten, der Bildungsweg nicht mehr offen gelassen.

Das ist ein Geschenk für die Turbo-Abi-Gegner, die ihr Kind nicht zur Stadtteilschule geben. Sie erhalten Argumentationsfutter.