Adlig, energisch und zupackend

Eine Adlige geht, eine andere Adlige kommt. Stephanie zu Guttenberg, Ehefrau des über eine Plagiatsaffäre gestürzten Exverteidigungsministers, gibt nach vier Jahren ihren Posten als Präsidentin der Kinderschutzorganisation Innocence in Danger ab. Jetzt kommt Marina von Achten.

Von Achten – 43 und adlig durch die Heirat mit Dominik von Achten, Vorstand des Baustoffproduzenten HeidelbergCement – ist Juristin und Mutter von vier Töchtern. Beides, so hört man aus ihrem Umfeld, prädestiniere sie für die Innocence-in-Danger-Präsidentschaft.

Als Juristin mit Auslandserfahrungen besitze sie Verhandlungsgeschick, außerdem sei sie gut vernetzt. Von Achten war jahrelang für eine internationale Anwaltssozietät in Düsseldorf und New York tätig. Als Mutter von vier Töchtern im Alter zwischen sechs und zehn Jahren sei sie „Zielgruppe“ des Vereins. Der will nicht nur Kinder vor sexueller Gewalt schützen, sondern auch Eltern aufklären.

Das soll mit Marina von Achten weniger glamourös geschehen als in den Zeiten der Baronin zu Guttenberg. Die gab ihr Chefinnenamt auf, weil es ihr Umzug in die Vereinigten Staaten nicht mehr zulasse, den Berliner Kinderschutzverein angemessen zu führen. Marina von Achten sucht den eigenen Stil. Sie habe jedenfalls keine großen Fernsehambitionen, sagte sie: „Mit mir bricht eine andere Zeit an.“

Mit der Arbeit fängt sie in Heidelberg, wo sie wohnt, gleich an. Sie will „Smart User“ ausweiten, das ist eine Innocence-in-Danger-Kampagne, mit der Kinder und Jugendliche den richtigen Umgang mit dem Internet lernen sollen. Zunächst sollen Schüler in der beschaulichen Stadt in Baden-Württemberg über das Risiko des sexuellen Missbrauchs im Netz aufgeklärt werden – und später möglicherweise bundesweit.

Das Geld dafür wird von Achten aufgrund ihres gesellschaftlichen Standes sicher locker einwerben können. Ob das mit der inhaltlichen Arbeit klappt, wird sich zeigen. Die Piraten sind da skeptisch. In ihrer Onlinezeitung „Kompass“ schmähten sie die Kinderschutzorganisation und von Achten bereits als einen „adelslastigen Hetz-Club mit Projektarbeit“.