Der Südsudan nach der Unabhängigkeit

Die ersten Tage der Freiheit

Nach der emotionalen Feier zur Unabhängigkeit prägen im Südsudan Bemühungen um nationale Einheit die Politik. Auch eine eigene Währung kommt.

Länder-Initationsritus: das erste Spiel der Nationalmannschaft. Südsudan verlor 1:3 gegen den Tusker FC aus Kenia, gefeiert wurde dennoch. Bild: dapd

BERLIN taz | Nach den emotionalen und überschwänglichen Unabhängigkeitsfeiern in der südsudanesischen Hauptstadt Juba am Wochenende hat im Südsudan der Ernst des Regierens begonnen. Staatspräsident Salva Kiir, Führer der früheren Rebellenarmee SPLA (Sudanesische Volksbefreiungsarmee), kündigte am Sonntag eine umfassende Reform seiner Regierung an.

In sechs im Staatsfernsehen verlesenen Dekreten wurden die bisherigen Mitglieder der Autonomieregierung Südsudans neu als Minister der Republik Südsudan bestätigt. Die Kabinettsminister dürfen jedoch bis auf Weiteres keine Entscheidungen treffen und keine Verträge unterzeichnen, bis die Regierung neu organisiert ist.

Diesen Prozess will Salva Kiir, der zu Südsudans größter Volksgruppe der Dinka gehört, gemeinsam mit Vizepräsident Riek Machar von der zweitgrößten Volksgruppe der Nuer gestalten, hieß es. Damit will Kiir offenbar der verbreiteten Sorge entgegentreten, dass der Vielvölkerstaat Südsudan bei der ersten Gelegenheit entlang seiner ethnischen Konflikte auseinanderfallen könnte.

Vizepräsident Machar leitete am Sonntag, dem Tag nach der Unabhängigkeitsfeier, in der Hauptstadt Juba eine Nuer-Gebetsveranstaltung. "Viele Generationen haben sich nach diesem Tag gesehnt", so der Vizepräsident; und es sei ein Privileg gewesen, gemeinsam mit dem Präsidenten aufzutreten. In seiner Rede bei der Unabhängigkeitsfeier hatte Präsident Kiir bereits eine Amnestie für alle bewaffneten Gruppen angekündigt, die im Südsudan die SPLA bekämpfen.

Zur Unterstützung der südsudanesischen Regierung und Armee hatte der UN-Sicherheitsrat am Freitag eine neue UN-Mission ins Leben gerufen. Die UN-Mission im Südsudan (Unmiss) löst die bisherige UN-Mission im Sudan (Unmis) ab und soll mit ihren bis zu 7.000 Soldaten "Frieden und Sicherheit konsolidieren und helfen, die Bedingungen für Entwicklung in der Republik Südsudan zu schaffen im Hinblick auf eine Stärkung der Kapazität der Regierung der Republik Südsudan, effektiv und demokratisch zu regieren und gute Beziehungen zu ihren Nachbarn aufzubauen".

In dieser Woche steht die förmliche Aufnahme Südsudans in die UNO als 194. Mitglied an sowie die Einführung einer eigenen Währung. Die ersten Geldscheine des südsudanesischen Pfundes, in Großbritannien gedruckt, sollen am Mittwoch eintreffen, sagte Finanzminister David Deng Athorbei. Am 18. Juli solle die neue Währung dann im Kurs 1:1 zum bisherigen sudanesischen Pfund ausgegeben werden.

Vom sudanesischen Zentralbanksystem ist Südsudan bereits abgeschnitten, erklärte die Zentralbank in Khartum. Das sudanesische Pfund fiel in der vergangenen Woche bereits von 3,47 auf 4,20 Pfund zum US-Dollar.

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