NPD-Spender auf Google Maps

Hier sitzt das Nazigold

Mit Google Maps kann man so ziemlich alles visualisieren: die Standorte von herrenlosen Obstbäumen oder die Wohnorte derer, die für die NPD gespendet haben.

Wissen wo Nazis wohnen: Karte mit NPD-Spendern. Bild: screenshot

BERLIN taz | Mit Google Maps kann jedermann so ziemlich alles visualisieren: die Standorte von herrenlosen Obstbäumen, von brennenden Autos in Berlin oder von Tischtennisplatten. Sinnvoll ist auch eine Karte, die zeigt, wo überall für die NPD gespendet wird. Man kann sie auch als Karte jener Orte verwenden, die es bei Reisen zu meiden gilt.

Grundlage sind Daten, die Hacker der "No Name Crew" Anfang Juni auf 25 Webseiten der rechtsextremen Partei erbeuteten. Sie knackten die Seiten von NPD-Größen bis zur rechtsextremen Gesellschaft für freie Publizistik. Was die NPD damals besonders hart traf: Im Internet veröffentlichten die Hacker die Namen von über 400 angeblichen Parteispendern.

Unbekannte nutzten nun diese Informationen, um daraus eine Karte für Google Maps zu gestalten. Die 400 NPD-Spender sind mit Namen, Hausnummer und Postleitzahl eingetragen. Geht es etwa durch Berlin, sollte für eine nazifreie Fahrt die Köpeniker Straße oder der Taldorfer Weg gemieden werden. Etwa 25 Spender gilt es bei einem Urlaub in der Hauptstadt zu umgehen.

Insgesamt ist die Verteilung der Geldgeber deutschlandweit recht ausgeglichen. Eine Urlaubsempfehlung kann anhand der Karte leider nicht getroffen werden. Im Osten finden sich jedoch mehrere NPD-Funktionäre, die ihrer eigenen klammen Partei finanziell unter die Arme griffen. Spender waren etwa die sächsische NPD-Landtagsabgeordnete Gitta Schüßler, mehrere Mitarbeiter der NPD-Fraktion aus Mecklenburg-Vorpommern oder David Böttcher, Bodyguard des Fraktionsvorsitzenden Udo Pastörs. Auch aus dem Ausland spendeten NPD-Unterstützer.

Aus Spanien etwa der Alt-Nazi Rolf Hanno, der mittlerweile eine feste Größe in der Liste der NPD-Spender geworden ist. Aber auch in anderen Ländern kann die Karte helfen, Nazis zu umgehen. Geld kam etwa aus Neuseeland, Kanada, den USA, Österreich oder Italien.

Die Karte ist ein harter Schlag für die NPD. Der ehemalige NPD-Bundesschatzmeister Erwin Kemna hatte immer betont, dass viele Spender sehr großen Wert darauf legten, anonym zu bleiben. Diese sollten nun verunsichert sein. Auch weil es nicht das erste Datenleck der letzten Monate war.

Vor gut drei Monaten verlor die NPD schon einmal sensible Informationen über Mitglieder. Über 60.000 interne Mails der Partei waren der taz und anderen Redaktionen zugespielt worden. Kurz darauf wurden weitere Daten aus einem nicht öffentlichen Forum bekannt. Die Lecks verhagelten der NPD den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt, wo die rechtsextreme Partei im März knapp an der Fünfprozenthürde scheiterte.

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