Atomkraft in Niedersachsen

Im Vorgriff aufgerüstet

Eon hat das AKW Grohnde an der Weser für eine Erhöhung der Leistung ausgebaut - ohne dass diese genehmigt war. Die Grünen vermuten mündliche Vereinbarungen mit Umweltminister Sander.

Aufgerüstet: Das Atomkraftwerk im niedersächsischen Grohnde. Bild: dpa

Eine unverzügliche Stellungnahme fordern Niedersachsens Landtagsgrüne von Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP). Sie reagieren damit auf Berichte über Aufrüstungen, die am AKW Grohnde bereits 2009 zur Erhöhung der Reaktorleistung vorgenommen wurden - ohne dass dafür eine offizielle Genehmigung vorgelegen hätte.

2007 hatte der Betreiber Eon beim Umweltministerium beantragt, die thermische Leistung in Grohnde von 3.900 auf 4.000 Megawatt erhöhen zu dürfen. Über den Antrag ist laut Ministerium auch 2011 noch nicht entscheiden. Dennoch hat Eon das Kraftwerk 2009 bei einer Revision entsprechend ausgebaut: Zehn Millionen Euro habe man investiert und die Turbinenschaufeln ausgetauscht, erklärt Eon-Sprecherin Petra Uhlmann auf taz-Nachfrage.

Die Grünen vermuten, Eon habe im Vertrauen auf eine mündliche Zusage von Umweltminister Sander aufgerüstet: "Warum sonst", fragt ihr Fraktionschef, Stefan Wenzel, "investiert man in einer solchen Höhe?"

Ein Vorwurf, den Umweltministerium und Eon umgehend zurückweisen: "Im Vorgriff auf eine Genehmigung" habe man umgebaut, sagt Eon-Sprecherin Uhlmann. Schon zwei Mal sei in Grohnde die Leistung erhöht worden. Dass einem das beim dritten Mal verwehrt bleiben könnte, schien dem Energiekonzern offenbar schlicht unvorstellbar: "Unsere Anträge wurden immer umfassend geprüft", sagt Uhlmann, "aber immer auch genehmigt."

Eon habe nur im konventionellen Teil des AKW aufgerüstet, führt hingegen das Umweltministerium an. Und der unterliege nicht der Atomaufsicht, erklärt Sprecherin Jutta Kremer-Heye: "Es ist den Betreibern unbenommen, dort in der Hoffnung auf eine Genehmigung Vorbereitungen zu treffen."

Für Grünen-Fraktionschef Wenzel sind das "keine befriedigenden Antworten". Auch für Veränderungen im nicht-nuklearen Teil des Meilers brauche es Genehmigungen, auch sie könnten sich auf die Sicherheit auswirken. Er habe vielmehr den Verdacht, so Wenzel, Minister Sander genehmige "jenseits aller atom- und baurechtlichen Verfahren und Normen".

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