die wahrheit

Schöner shoppen mit Sexschaf Stella

Neues aus Neuseeland: Es ist immer ein Kreuz mit Mitbringseln aus Aotearoa, dem Land der langen verzweifelten Suche nach Andenken für die Lieben daheim...

... Daheim ist in dem Fall Köln, Kiel, Hamburg, Marburg und Berlin, denn dorthin wird es mich die nächsten zwei Wochen auf Lesereise verschlagen. Alle Jahre wieder die gleiche Qual: Wie viel Maori-Kitsch und Schäfchen-Deko ist den Freunden oder besser: deren Kindern zuzumuten?

So streife ich durch die Souvenirläden meiner neuen Heimat und hamstere alles, was für die Deutschlandtour in Frage kommen könnte. Die Produktpalette hat sich seit meiner Immigration kaum geändert. Gern genommen wurden anfangs noch Nippelwärmer aus ökologisch unbedenklichem Possumfell, von innen ans T-Shirt zu kleben (bloß nicht auf die Brustwarzen - das ziept!). Seitdem habe ich mich durch Paua-Ohrringe und Knochenschnitzereien gearbeitet, durch aufziehbare Minirugbyspieler, durch polynesische Eiswürfelformen und Kugelschreiber, die auf Knopfdruck Haka-Kriegsgebrüll quäken.

Am oberen Ende des Geschmacksspektrums finden sich Schürzen mit bunten Schafen in Andy-Warhol-Optik. Kommen bei kochenden Redakteuren gut an. Ganz unten: das aufblasbare Schaf. So wie die mit Kiwivögeln und Farnkringeln bedruckten Lineale, Becher und T-Shirts ist auch dieses Mitbringsel in Fernost hergestellt und man kann damit, nun ja, spielen.

"Hat niedliches Gesicht", lese ich auf der Schachtel von "Stella, the stormy sheep" und "einfach zu handhaben". Stella stammt aus einem Laden, der seit dem Erdbeben nicht mehr steht, und in dem es auch alles Mögliche zum Nippelerwärmen gab, nur nicht aus Ökopelz. Mehr aus Latex. Was dem Beate-Uhse-Kunden seine Gummipuppe, ist dem kopulierfreudigen Kiwi demnach sein Sexschaf, haben meine Recherchen in der Scherzartikelszene ergeben. Stella blökt leider nicht zärtlich. Aber das macht sie für den Besitzer mit dem vollgummierten Loch ("love hole") am Hinterteil wett.

Wer mich jetzt für das größte Ferkel unter der südlichen Sonne hält, den verweise ich auf einen Artikel der Christchurcher Lokalzeitung. Dort ist mir erstmals ein Sexspielzeug aus dem Agrarbereich vor Augen gekommen. Was vielleicht auch daran liegt, dass ich nicht mit einem Farmer liiert bin. In The Press stand, dass ein Kind ein solches Schaf als Preis an einem Kirmesstand auf dem Kunsthandwerkermarkt in Tahunanui gewann. Es hatte schöne blaue Augen mit langen Wimpern und trug eine Zimmermädchen-Haube. Also das Schaf, nicht das Kind.

Erst am nächsten Morgen, als die Siebenjährige mit dem Gummitier ins Wohnzimmer spazierte, erkannten die geschockten Eltern, was man der Kleinen da in die Hände gedrückt hatte. Die Mutter musste das Corpus Delicti verschwinden lassen und der Tochter erzählen, dass ein Hund es zerbissen hätte. Der leicht senile Betreiber des Kirmesstands bot an, das Schaf durch einen anderen Preis zu ersetzen. Leider konnte ich nicht erfahren, um was es sich dabei handelte, sonst wäre ich jetzt sicher um eine Mitbringselidee reicher.

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