Es steht in den Sternen

Senat hat kein Konzept, wie das geplante Science-Center ohne den Umzug des Planetariums in die Hafencity kostendeckend betrieben werden kann

Scheitert der Planetarium-Umzug in die Hafencity, steht der Senat mit leeren Händen da. „Wir haben nicht über andere Alternativen nachgedacht“, räumte der Geschäftsführer der HafenCity GmbH, Jürgen Bruns-Berenteig gestern ein. Der Publikumsmagnet Planetarium, der im Stadtpark jährlich 380.000 BesucherInnen anzieht, werde benötigt, um die „Unterdeckung aus dem Betriebshaushalt“ des geplanten Science-Centers, an welches das Planetarium angegliedert werden soll, auszugleichen. Scheitert der Umzug am Widerstand der Bürgerschaft, müsse die Stadt, so Bruns-Berenteig, „neu nachdenken“.

Zugleich bestätigte der Geschäftsführer zuvor durchgesickerte Details aus dem im September abgeschlossenen Vertrag mit den Science-Center-Investoren. Danach wird sich die Stadt mit 32 Millionen Euro an dem Bau und mit weiteren 14 Millionen Euro an der Ausgestaltung des Science-Centers beteiligen. Der städtische Zuschussbedarf von insgesamt 46 Millionen Euro war der Bürgerschaft vom Senat allerdings schon Ende 2003 bekanntgegeben worden. Es gebe jedoch keine Verpflichtungen gegenüber dem Investor, das Planetarium tatsächlich in der Hafencity anzusiedeln, betonte Bruns-Berenteig.

Für den SPD-Landesvorsitzenden Mathias Petersen sind die offen gelegten Vertragsdetails jedoch ein Beleg dafür, dass „den Investoren der Umzug des Planetariums bereits versprochen wurde“, obwohl die Bürgerschaft darüber noch nicht befunden habe. Für Hartmut Müller, den FDP-Vorsitzenden in Hamburg-Nord, ist es gar „angesichts der bekannt gewordenen Fakten ein Hohn, wenn der Stadtentwicklungssenator erklärt, es sei ja noch gar nichts entschieden“.

Mit den Stimmen der SPD für einen Umzug des Sternentheaters kann Freytag derweil nicht rechnen. Die sozialdemokratische Bürgerschaftsfraktion präsentierte gestern einen Antrag, in dem der Senat aufgefordert wird, „das Planetarium im Hamburger Stadtpark“ zu belassen und weiterzuentwickeln.

Gleichzeitig warf der SPD-Abgeordnete Jenspeter Rosenfeld, einer der Initiatoren des Antrags, dem Bürgermeister vor, die Öffentlichkeit beim Thema Planetarium „bewusst getäuscht“ zu haben. Er spielt damit auf den Auftritt Ole von Beusts in der Bürgerschaft vor zwei Wochen an. Damals hatte der Bürgermeister dem Bezirksamt Nord die Schuld dafür in die Schuhe geschoben, dass das Planetarium in die Hafencity umziehen müsse. Sämtliche „Entwicklungschancen“, so von Beust, hätte der rot-grün regierte Bezirk dem Planetarium genommen, indem er wiederholt Anträge der Planetariumsbetreiber, dem wachsenden Besucherstrom am jetzigen Standort Herr zu werden, torpediert hätte.

„Es hat entsprechende Anträge an den Bezirk aber nie gegeben“, weiß Rosenfeld. Er verweist dabei auf die Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage, in der es heißt, dass „auf formelle Anträge seitens des Planetariums verzichtet“ worden sei, da aus dem Bezirksamt schon im Vorfeld kritische Einwände zu den Vorhaben zu vernehmen gewesen seien. Dabei sei es vor allem darum gegangen, Eigenwerbung am Gebäude zu installieren und gastronomische Einrichtungen im Außenbereich zu etablieren.

Aus der Senatsantwort geht zudem hervor, dass ein Architektur-Konzept für die Erweiterung des aus den Nähten platzenden Planetariums aus ganz anderen Gründen vom CDU-Senat zu den Akten gelegt wurde. Der Plan, der einen gläsernen Anbau im Eingangsbereich mit Gastronomie und Büroflächen vorsah, sei aufgrund des unvermeidbaren Eingriffs in die „Zweckbestimmung des Stadtparks als Grünanlage und Erholungsfläche“ schließlich „nicht weiterverfolgt“ worden. Ein weiterer Knackpunkt seien die „hohen Kosten“ von 19 Millionen Euro für die baulichen Veränderungen gewesen.

Immerhin ein gutes Drittel des Betrags, den nun das Science-Center den Steuerzahler kostet.