Die Woche

Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

Ein Nazileck für den Verbotsantrag, Ägyptens neuer Mubarak-Pudel und leichtsinnige Borussen. Die Woche mit Friedrich Küppersbusch.

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche?

Friedrich Küppersbusch: Bisher hat nur die Ex-Berlusconi-Mitarbeiterin Hunziker politisches Asyl beim ZDF bekommen.

Was wird besser in dieser?

"Wetten, dass . . ?" hat eine Zukunft als Promi-Asylbewerberlager.

Ägyptens Staatspräsident Husni Mubarak ist am Freitag zurückgetreten, das Militär hat die Macht übernommen. Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi ist ein alter Weggefährte Mubaraks. Fangen so Demokratien an?

Sieht nach einer verlorenen Partie für den Exgeheimdienstchef Suleiman aus. "Mielke statt Honecker" wäre bei uns auch eher zaghaft bejubelt worden. Da die USA unter Mubarak das Militär zu 80 Prozent finanziert haben, muss diese Wendung nicht sonderlich überraschen. Die New York Times nennt Tantawi mit feinem Humor "nicht entschlossen prodemokratisch" und leakt aus "Diplomatenkreisen" einen Spottnamen als "Pudel Mubaraks". Um die Wahl zwischen Mubarak, Muslimbrüdern und einer Junta ist Obama nicht zu beneiden. Immerhin hat sein "Wechsel sofort" das Tempo vorgegeben und die Bevölkerung ermutigt.

"Lang lebe Facebook!", sollen Demonstranten auf dem Tahrir-Platz gerufen haben. Legen Sie sich jetzt vorsorglich für die nächste Revolution einen Account zu?

Auch in Tunesien soll Facebook zeitweise das Nadelöhr der Revolution gewesen sein: Nachdem die Geheimdienste den kompletten Mailverkehr gehackt hatten, musste man dort erst 5 persönliche Freunde anhand Fotos identifizieren, bevor man Zugang zum Account bekam. Da Geheimdienstler keine 5 persönlichen Freunde haben, galt Facebook als sicher. Der europäische Weg zu Aufklärung und schließlich demokratischen Staatsformen wird gern als langer Fluss aus der Quelle der Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg (den guten, mit einem t) betrachtet. Vielleicht einfach mal Schnauze halten und zugucken, wie so was heute geht.

FRIEDRICH KÜPPERSBUSCH ist Journalist und Fernsehproduzent. Jede Woche wird er von der taz zum Zustand der Welt befragt.

Italiens Ministerpräsident Berlusconi taumelt gerade durch die gefühlt tausendste Sexaffäre. Kommt nun der nächste Autokratenumsturz?

Berlusconi hat seine Korruptionsverfahren korrumpiert, sich der Gerichtsbarkeit komplett entzogen und staatliche wie seine privaten TV-Sender gleichgeschaltet. Mit ihm hätte sich Ägypten nicht wesentlich verbessert. Wer ihm als EU-Partner nett die Hand schüttelt, muss Nordafrika keine klugen Ratschläge geben.

Daniel Domscheidt-Berg, Exsprecher von Wikileaks, hat in seinem Buch Unschönes über Julian Assange geschrieben. Wie interessant sind solche "Cables" aus dem inneren Kreis?

"Zwei Verrückte und ein maroder Rechner" als Bastelanleitung für den Weltfeind - das ist instruktiv. Die CIA wird es nicht überraschen, dass Assange obendrein auch noch schlecht zu seiner Katze gewesen sein soll. Man kann davon ausgehen, dass Robin Hood privat auch eher ein Arschloch war. Na und ?

60.000 Mails aus dem internen NPD-Schriftverkehr lassen tief in die Parteiideologie blicken. Hat die NPD das mit dem Parteiverbot damit selbst erledigt?

Die legalistische Strategie "Außen verfassungskonform, intern Deutscher Gruß und 88" ist hier schriftlich dokumentiert. Für die Strafanzeige gegen taz, tagesschau.de und Spiegel ist der NPD zu danken: Durch den Vorwurf des "Diebstahls internen Mailverkehrs" ist der ganze Ramsch mit einem Schlag autorisiert. Wenn das der Führer googelt! - Die baden-württembergische NPD erwägt, Wahlkampfspenden hinterher aus staatlicher "Wahlkampfkostenerstattung" samt Bonus zu vergüten. Heißt: Die Selbstbedienungspolitik der etablierten Parteien schafft eine Situation, in der wir Steuerzahler eine Nazipartei finanzieren. Also lässt sich ein Verbotsantrag jetzt ohne V-Mann-Geplapper belegen. Und die Parteienfinanzierung taugt zur Natternzucht.

Kristina Schröder fördert mit ihrem Anti-Extremismus-Programm auch die parteinahe Konrad-Adenauer-Stiftung und die Junge Union. Die etwa bekam 29.000 Euro für die Aktion "Wir fahren nach Berlin - gegen Linksextremismus". Macht man so was?

Ja, die Junge Union wollte im freundschaftlichen Diskurs mit dem schwarzen Block Unterschriften unter Schröders gewünschtes Bekenntnis zum Grundgesetz sammeln. Es sollen sich viele persönliche Freundschaften ergeben haben.

Und was machen die Borussen?

Ich wünschte, es wäre anders: Doch der Büdchenbesitzer-Taxifahrer-Nachbar-mit-Hund-Indikator in Dortmund ist seit Wochen im roten Bereich. Auf die klassische Eröffnung; "Wie spielen sie heute?", kommt viel zu oft die tückische Gegenfrage: "Wie hoch sie gewinnen, meinst du?" Der zwölfte Mann ist leichtsinnig geworden. Da muss der Trainer dringend was machen.

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