TV-Sender Arte schafft neue Plattform

Kunst ins Netz

Mit Arte Creative schafft der Kultursender eine digitale Dauerausstellung für visuelle Künste. Eine Redaktion betreut die Seite journalistisch.

Mit Arte Creative will der TV-Sender Künstlern eine neue Plattform bieten. Bild: screenshot

BERLIN taz | "Heroes" von David Bowie als musikalische Untermalung für eine Auseinandersetzung mit dem Phänomen Piraterie in Somalia? Und das Ganze auch noch verquickt mit dem Thema Mode? Solche Ideen des Künstlerkollektivs ubermorgen.com werden manche als kühn empfinden, denn in der westlichen Welt gelten die Piraten als gierige Kriminelle. Das Ausstellungsprojekt "Woppow" schildert das Thema aus der Sicht der Piraten, die, indem sie Handelsschiffe kapern und Lösegelder erzwingen, sich quasi nur das wiederholen, was man ihnen vorher geraubt hat.

Die Ausstellung war kürzlich im Goethe-Institut Nairobi zu sehen. Dass ein Teil davon nun einem größeren Publikum bekannt wird, ist dem Sender Arte zu verdanken - genauer gesagt: seinem neuen Internet-Spin-off Arte Creative. Dieses soll zur "größten virtuellen Gruppenausstellung im Netz" werden, sagt Projektleiter Alain Bieber. Die Plattform, die gestern im Rahmen des Festivals Transmediale in Berlin startete, präsentiert visuelle Kunst aller Art.

Das Spektrum reicht von Web Art bis zu Konzeptkunst, von Architektur bis zu ambitionierten Musikvideos. Das Übergewicht liegt bei bewegten Bildern. Vier bis fünf neue Filme sollen pro Tag neu dazu kommen.

Mehr als eine Abspielstation

Bei Arte Creative macht der Künstler das Programm, er ist, anders als in den Kultursendungen des normalen Arte-Programms, nicht mehr nur Gegenstand der Berichterstattung. Das Ziel sei es, mehr zu sein als eine Abspielstation wie YouTube oder Vimeo, sagt Bieber, der vorher Redakteur bei Gruner + Jahrs Monatsmagazin art war. "Wir sind eine journalistische Plattform."

You Tube für Kunst, aber mit Chefredakteur - das ist vielleicht die simpelste Formel, auf die sich Arte Creative bringen ließe. Zu den zahlreichen Kooperationspartnern gehören das Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie - dessen Leiter Peter Weibel präsentiert einmal im Monat ein Werk aus der Sammlung des Hauses - und die Zentrale Intelligenz Agentur aus Berlin, die in der Reihe "From Sketch" Kulturarbeiter dazu animiert, in einer DIN-A3-Skizze ihre aktuellen Projekte zusammenzufassen.

Selbstverständlich ist Nutzerbeteiligung ein wichtiges Element der Seite: Sofern es die Künstler zulassen und ihre Werke unter Creative Commons lizensieren, können die User die Inhalte von Arte Creative auch auf ihren eigenen Websites einbinden oder sie bearbeiten. Außerdem gibt es die Serie "Die Streberprämie" - ein Wettbewerb für Studenten.

Dass sich der deutsch-französische Sender mit Arte Creative nun zumindest zu einem kleinen Teil neu definiert, hat mit den Rahmenbedingungen in Frankreich zu tun. Vizepräsident Gottfried Langenstein, der Wegbereiter des Projekts, sagt, dort verlangten "die öffentlichen Institutionen, auch die Regierung" von den TV-Unternehmen geradezu, dass sie ihre Aktivitäten im Netz intensivieren, "um die jungen Generationen ans Fernsehen zu binden".

Talentschmiede für den Muttersender

In Deutschland bewirkten gesetzliche Regelungen dagegen das Gegenteil. Im für den Sender besten Fall wird Arte Creative auch Künstler an das Fernsehen binden, denn die Plattform ist nicht zuletzt als Talentschmiede für den Muttersender vorgesehen. Man wolle, sagt Bieber, "eine kleine Community aufbauen, mit der wir neue Projekte entwickeln und an der Schnittstelle TV/Web experimentieren".

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