Blockheizkraftwerke von der GFE

TÜV Süd in Not

Der TÜV Süd hat den Kraftwerken der GFE indirekt einen absurden Wirkungsgrad bestätigt. Gegen die Nürnberger Firma wird inzwischen wegen Anlegerabzocke ermittelt.

Hatten sich auf die Aussagen der GFE verlassen: TÜV Süd. Bild: dpa

NÜRNBERG taz | Was die Nürnberger GFE ihren Anlegern versprach, ist fast unmöglich: Sie befeuert ihre Blockheizkraftwerke (BHKW) mit Rapsöl; mindestens 75 Prozent der Energie sollte dabei in Strom umgewandelt werden, behauptete die Firma in ihren Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Dabei beruft sie sich unter anderem auf ein Gutachten des TÜV Süd.

Das vierseitige Papier weist in einer Tabelle als wohl wichtigstes Ergebnis einen "spezifischen Rapsölverbrauch von 105,1 Gramm pro Kilowattstunde Stromerzeugung" aus. Das bedeutet umgerechnet: Das GFE-BHKW würde Rapsöl mit einem Wirkungsgrad von genau 91 Prozent direkt in Strom umwandeln. Dabei geht selbst bei Spitzen-BHKW mindestens 40 Prozent der eingesetzten Energie als Wärme verloren.

Weshalb Professor Michael Wensing vom Lehrstuhl für Technische Thermodynamik der Universität Erlangen-Nürnberg den in dem Gutachten genannten Wert für "Unsinn" hält. "Ein effektiver Wirkungsgrad von 91 Prozent für die Umwandlung der Kraftstoffenergie in elektrischen Strom ist unmöglich", sagt Wensing. Er nimmt den TÜV jedoch in Schutz: Es sei möglich, dass man unsinnige Werte der GFE übernommen habe, statt selbst zu messen.

TÜV-Süd-Pressesprecher Thomas Oberst ist selbst unglücklich über das Gutachten. "Wie in der Überschrift des Gutachtens zu lesen, hatten wir nur den Auftrag, den Treibstoffverbrauch nach den Spezifikationen des Herstellers zu messen", verteidigt er die Gutachter. Das TÜV-Süd-Team habe sich auf die Aussagen der GFE verlassen, das BHKW gebe im Moment der Verbrauchsmessung eine bestimmte elektrische Energie ab, ohne dies selbst zu überprüfen.

Darauf weist der TÜV-Süd-Gutachter auch in einer kleinen Fußnote hin. Doch "an diesem Fall erkennen wir klar, dass dieses Gutachten gegenüber Laien missbräuchlich eingesetzt werden kann", gibt Oberst zu. Momentan prüfe man intern, wie es zu dem Gutachten kommen konnte. "Wir werden verhindern, dass so ein Missbrauch in Zukunft möglich ist", sagt er.

 

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