Wie die Feiertage fallen: Ungüstig für die Arbeitnehmer
In diesem Jahr liegen Weihnachten und Silvester besonders arbeitgeberfreundlich. Das nutzt zwar dem Einzelhandel, schadet andererseits aber dem Tourismus.
BERLIN taz | Für viele Arbeitnehmer geht Weihnachten in diesem Jahr eher leise vorbei: Die Festtage liegen auf einem Wochenende, nur Heiligabend und Silvester, jeweils am Freitag, werden als zusätzliche freie Tage empfunden. Von einer "Arbeitgeberweihnacht" wollen Wirtschaftsvertreter aber nicht sprechen. "Es gibt im Vergleich zum vergangenen Jahr nur 1,3 Arbeitstage mehr in diesem Jahr", sagt Volker Treier, Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).
Zwar liegt Weihnachten heuer aus Sicht der Beschäftigten ungünstiger als im vergangenen Jahr, aber dafür fiel der 1. November mit Allerheiligen in diesem Jahr auf einen Montag. Im vergangenen Jahr war Allerheiligen an einem Sonntag gewesen. Dieser Ausgleich tröstet allerdings nur die Menschen in Süddeutschland: Im Norden gilt Allerheiligen nicht als Feiertag.
Überhaupt zeigt ein Blick auf den Kalender, dass die bundesdurchschnittliche Angabe von "Arbeitstagen" im Jahr wenig sagt über die regional unterschiedliche Festtagsfreudigkeit. So haben die Bayern mit Allerheiligen, Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt am 15. August und in Augsburg sogar noch einem "Friedensfest" am 8. August erheblich mehr Feiertage als die Berliner.
Eine richtige "Arbeitgeberweihnacht", in der Heiligabend auf einen Samstag fällt und damit nur ein Tag, nämlich der zweite Weihnachtsfeiertag, zusätzlich frei ist, gab es zuletzt im Jahr 2005. Obwohl die volkswirtschaftlichen Effekte von arbeitgeberfreundlichen Feiertagen gerne gepriesen werden, sind die Auswirkungen jedoch widersprüchlich.
Liegen viele Feiertage auf Samstagen und Sonntagen, "dann gibt es zwar einerseits den Effekt, dass die Bänder nicht stillstehen müssen", erklärt Treier. Dem Einzelhandel geht es auch besser, wenn die Zahl der Feiertage niedriger ist und die Geschäfte demzufolge länger geöffnet sind. Andererseits aber nütze es etwa dem Tourismus und der Gastronomie, wenn die Menschen mehr Tage frei haben, sagt Treier.
Hat ein Jahr einen Arbeitstag mehr als das vorhergegangene und ackern die Menschen entsprechend mehr, so kommt die Wirtschaft rein rechnerisch auf etwa 0,8 Prozent mehr Bruttosozialprodukt, ohne die gegenteiligen Effekte, erklärt Treier. Rechnet man die Folgen für die Dienstleister - etwa Tourismus und Gastronomie - dagegen, ergebe sich am Ende nur ein Plus von etwa 0,1 Prozent pro zusätzlichem Arbeitstag.
November und Dezember haben 2010 im Vergleich zum Vorjahr zwei zusätzliche Einkaufstage, erläutert Kai Falk, Sprecher des Handelsverbandes Deutschland (HDE). "Wir erwarten 2010 das beste Weihnachtsgeschäft seit den letzten Jahren." Zur Weihnachtszeit entsteht leicht der Eindruck, das Onlineshopping boome. Dieser Bereich verzeichnet gegenüber dem Vorjahr ein Wachstum von 8 Prozent. Onlineshopping mache, übers Jahr gerechnet, aber nur 4 Prozent des Gesamtumsatzes im Einzelhandel aus, sagt Falk.
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