Brandanschlag auf islamisches Zentrum in Tempelhof

Angriffe auf Muslime nehmen zu

Nach erneutem Brandanschlag auf eine islamische Einrichtung hat die Polizei Hinweise, dass es sich um eine Serie handelt, und richtet eine Ermittlungsgruppe ein.

Die Ende November angebrannte Tür der Al Nur Moschee in Neukölln  Bild: dapd

Erneut ist auf eine islamische Einrichtung in Berlin ein Brandanschlag verübt worden. Nach Angaben der Polizei warfen Unbekannte am Donnerstagmorgen in Tempelhof ein Glasbehältnis mit einer brennbaren Flüssigkeit gegen die Fassade der Islamischen Kulturgemeinde der Iraner in Berlin-Brandenburg. Dabei handelte es sich um die sechste Tat gegen islamische Einrichtungen seit Juni 2010. Beim Staatsschutz wurde eine spezielle Ermittlungsgruppe eingerichtet. Inzwischen gibt es Stimmen, die die Anschläge in Verbindung mit der Integrationsdebatte bringen.

"Die Täter fühlen sich durch die undifferenzierte Diskussion beflügelt", so die Vermutung des Geschäftsführers des Vereins iranischer Flüchtlinge, Hamid Nowzav, der auch Mitglied im Landesbeirat für Migration ist. Nowzav spricht für die oppositionellen Iraner in Berlin. Die vom Brandanschlag betroffene Kulturgemeinde ist ihm zufolge eine Regierungseinrichtung der iranischen Republik. "Das sind keine lupenreinen Demokraten. Aber das ändert nichts daran, dass die Anschläge zu verurteilen sind. Ich glaube, dass Islamophobe oder Rechtsradikale dahinterstecken."

Bundestagsabgeordneter Volker Beck (Grüne) ging sogar so weit, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine indirekte Mitschuld zu geben. Merkel, aber auch CSU-Chef Horst Seehofer hätten in Reden Migranten pauschal "im Zusammenhang mit Integrationsverweigerern und grundgesetzfeindlichen Islamisten erwähnt", kritisierte Beck. Auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verurteilte die Anschläge. In einer toleranten und offenen Stadt müsse jeder seine religiösen Überzeugungen leben können.

Die Sehitlik-Moschee am Columbiadamm wurde in der Zeit zwischen Juni und Ende November viermal attackiert, die Al-Nur-Moschee in Neukölln einmal. Letztere gehört ähnlich wie die Kulturgemeinde eher zu den radikalen Verfechtern des Islam.

Bei allen Taten entstanden jeweils leichte Sachschäden. Ein Zusammenhang war laut Innensenator Ehrhart Körting (SPD) bisher nicht erkennbar. Das hat sich nun geändert. Am Donnerstag sei am Tatort ein Hinweis zurückgelassen worden, so die Polizei. Das lasse darauf schließen, dass es sich um eine Serie mit mehr als zehn Taten handeln könnte. Der Staatsschutz vermutet deshalb, dass es noch weitere Anschläge gibt, die aber nicht angezeigt wurden. Betroffene wurden aufgerufen, sich zu melden.

 

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