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Zum Andenken – Vom Leben und Sterben des Ernst Lossa Deutschland 2011, R: Sina Moslehi

Es macht Hoffnung, wenn ein 16-jähriger Schüler zum Gedenken an ein Opfer des Nationalsozialismus einen Film dreht, sich anhand von dessen Biografie mit dem Euthanasieprogramm der Nazis auseinandersetzt. Ernst Lossas Familie wurde von promovierten GutachterInen als angeblich sozial randständig und vermeintlich rassisch minderwertig, als Jenische selektiert: „Sie wurden auch als Landfahrer oder Fahrendes Volk bezeichnet und von den Nationalsozialisten ebenso verfolgt wie die Sinti und Roma“, so Sina gegenüber der taz.hamburg im Interview. Er bekam von einer Mitschülerin die Biografie Ernst Lossas „Nebel im August“ von Robert Domes: „So kam es dazu, dass ich das Buch las und wirklich gefesselt war. Ich habe das Gefühl, dass das Thema NS-Euthanasie nicht so richtig in den Köpfen der Menschen ist, wenn man von der Zeit des Nationalsozialismus spricht. Ich denke, vielen ist auch nicht klar, wie einfach man Opfer des NS-Regimes, des Rassenwahns, werden konnte. Der Fall von Ernst Lossa zeigt das aber auf eine sehr besondere, packende, auch schockierende Art und Weise.“

taz: Was ist Dir im Geschichtsunterricht wichtig? Sina Moslehi: Dass auch Einzelschicksale aufgezeigt werden. Das führt dazu, dass man sich mit den Schicksalen und Lebenswegen der betroffenen Personen wie Ernst Lossa auseinandersetzt, sich verantwortlich fühlt weiter nachzuforschen und sich vielleicht auch ein Stück weit mit den Betroffenen identifiziert, Empathie zeigt. Das ist der Effekt, wenn man nicht nur von Zahlen spricht, sondern von Menschen.

Hattest Du viel Unterstützung beim Filmemachen? Meine Eltern haben mich viel unterstützt, mich nach Bayern gefahren, wo die Dreharbeiten stattfanden. Meine Schwester hat etwas bei der Technik geholfen, und ihre Ideen mit eingebracht. Außerdem hat ein Kunstlehrer meiner Schule, der über einige Zeit mein stellvertretender Klassenlehrer war, sehr viel mit seinem Knowhow und der Technik geholfen, die Aufnahmen gesichtet und Anregungen gemacht, was wirklich eine große Hilfe war. Ich habe viel alleine gemacht, da es ja auch mein Projekt war und ich einen erheblichen Anteil selbst machen wollte um den Film auch als „meinen Film“ bezeichnen zu können. Ich habe aber die Hilfe, die mir angeboten wurde, gerne angenommen und weiß sie auch sehr zu schätzen.

Beschäftigst du dich weiter mit Ernst Lossa? Mir ist das Thema sehr wichtig. Ich beschäftige mich zum einen über „Zum Andenken“ selbst damit, indem ich den Film beispielsweise an Schulen, auf Tagungen und in Kulturhäusern zeige und damit zum Gespräch anrege. Aus den Gesprächen nehme ich viel mit, erfahre oft selbst Neues, kann aber auch eigene Gedanken weitergeben.  GASTON KIRSCHE

Am Do um 17 Uhr ist Sina Moslehis Film im ella – Kulturhaus, Käkenflur 30, Hamburg-Langenhorn mit anschließendem Gespräch mit ihm und dem Historiker Moritz Terfloth zu sehen. Infos: www.zumandenken.de