die wahrheit

Die deutsche Musta Hari

Vorzeigefrauen: Wer verbirgt sich wirklich hinter dem Namen der Passbilddarstellerin Erika Mustermann? Ist es eine Geheimagentin?

Früher war München ihr ausgewiesener Geburtsort, nun soll Erika Mustermann gebürtige Berlinerin sein. Bild: dapd

Die Gerüchte um Erika Mustermann verstummten nie ganz: Auf den Gängen deutscher Ministerien flüsterte man sich stets hinter vorgehaltener Hand zu, dass die Vorzeigefrau des Ausweiswesens eine Agentin wäre! Und diese Gerüchte erhielten spätestens dann neue Nahrung, als ihre Dienstausweise öffentlich abgebildet wurden.

Erika Mustermann war für gleich zwei Ministerien tätig: für das Bundesministerium des Innern und für das Bundesministerium der Verteidigung. Besoldet in zwei verschiedenen Ministerien, hatte sie den soldatischen Rang immerhin eines Oberleutnants inne. Das konnte mit der Legende, einfache Mitarbeiterin in der Bundesdruckerei zu sein, nicht übereinstimmen.

Doch der Reihe nach: Die bieder aussehende Frau wurde am 12. September 1945 in München als Tochter von Franz-Xaver Gabler geboren, über den weiter nichts bekannt ist. 1982 wurde Frau Mustermann schlagartig bekannt, als sie erfolgreich für den neuen Personalausweis warb.

Doch viel mehr, als dass sie 1,60 Meter groß ist und grüne Augen hat, sollte von ihr nicht bekannt werden. Der Name Mustermann hätte angeheiratet sein können, stutzig macht jedoch die Tatsache, dass mit der Einführung des elektronischen Personalausweises ein vermeintlicher Zwillingsbruder Erik auf den Plan trat, der am selben Tag zur Welt gekommen sein will und der obendrein die gleiche Größe und Augenfarbe aufwies.

Eine reichlich plumpe Legende, die Erika aber offenbar ermöglichte, als Erik in verdeckten Ermittlungen zu agieren. Ihre weiteren Alias-Namen sind Legion: Christiane, Monika, Marianne, Emil, Erwin, Martin und Max Mustermann.

Da Max auch als geborener Gabler firmiert, muss das ominöse Geschwisterpaar adoptiert worden sein. Vermutlich von einem Onkel vom Geheimdienst. Die Stärke deutscher Geheimdienste war es ja bekanntlich noch nie, sich besonders fantasievolle Decknamen auszudenken, und so kam es wohl zu Erika Mustermann alias Erik.

Ihre Münchner Wohnung in der Heidestraße 17 in der Nähe von Pullach verließ Erika Mustermann überraschend 1981, um in Köln wieder aufzutauchen, wo sie in unmittelbarer Nähe der damaligen Bundesregierung lebte. Auch dort hatte sie wie in München eine Wohnung in der Heidestraße 17, ein übliches Mittel der Desinformation im Geheimdienstmillieu.

Bis 2007 scheint Frau Mustermann dort gelebt zu haben, doch 2008 tauchte sie unvermittelt in Berlin auf. Berlin war vorher schon einmal als Geburtsort in ihren Kölner Personaldokumenten vermerkt. Ihre Tätigkeit dort bleibt allerdings im Dunkeln, doch als sie am 31. Oktober 2010 den allerersten neuen Ausweis vorzeigen konnte (Nr. 000001!), wurde selbst unsere Kanzlerin blass. Wie mächtig musste die große Unbekannte geworden sein, um in den Genuss eines solchen Privilegs zu kommen: ein Erstausweis!

Interessant ist in diesem Zusammenhang, den Weg des ehemaligen Bundesinnenministers Otto Schily zu verfolgen, dessen Stationen ebenfalls wie bei Frau Mustermann über München und Köln-Bonn nach Berlin führten. Mittlerweile bekleidet Schily einen gut dotierten Aufsichtsratsposten in einer Sicherheitsfirma, die er noch als Minister ausreichend mit Aufträgen versehen hatte.

Doch wie steht es um das alte Gerücht, dass Schily eine jahrelange heimliche Affäre gehabt habe? War da doch etwas dran? Sollte es sich gar um eine Liaison mit eben jener Agenten-Erika gehandelt haben, die auch unter dem Codenamen "000001" firmiert?

Sollte der kleine Leon, der im Jahr 2003 geboren wurde und seither in der Kinderreisepassverordnung abgebildet ist, die Frucht einer illegitimen Beziehung zwischen dem Bundesminister und seiner öffentlichsten Geheimagentin gewesen sein? Endgültige Klarheit könnte hier nur ein freiwilliger Gentest bringen, aber den verweigert der saubere ehemalige Musterminister Schily kategorisch. Er wird gute Gründe dafür haben …

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