Schmutzkampagne in Rumänien

Rechte hetzt gegen Juden

Nachdem er Kritik an der Nationalbank geäußert hatte, wird ein rumänischstämmiger US-Historiker Opfer massiver judenfeindlicher Angriffe. Die Behörden halten sich bedeckt.

Die schwer umstrittene Münze im Detail. Bild: reuters

BERLIN taz | Rumäniens Rechtsextremisten holen wieder zu einem Rundumschlag aus. Jüngstes Opfer ist der rumänischstämmige US-Historiker Radu Ioanid. Der als "Schwein" und "faschistischer Jude" beschimpfte Wissenschaftler hatte öffentlich die rumänische Nationalbank kritisiert. Diese hatte sich entschieden, eine Silbermünze in Umlauf zu bringen, auf der das Bild des orthodoxen Patriarchen Miron Cristea eingestanzt ist. Radu Ioanid sei ein "Hochstapler, der sich in Washington im Holocaust-Museum eingenistet hat" und einer der größten Feinde des rumänischen Volkes", schrieb die Zeitung der ultrarechten Groß-Rumänien-Partei, Tricolorul.

Miron Cristea war als Ministerpräsident für die Ende der 1930er Jahre verabschiedete antisemitische Gesetzgebung mitverantwortlich. Damals wurde 225.222 Juden die rumänische Staatsbürgerschaft aberkannt. Eine Ehrung dieses antisemitischen Politikers und Kirchenführers, erläuterte Ioanid gegenüber einer Bukarester Zeitung, sei nicht angemessen.

Im Internet brach daraufhin ein Sturm der Entrüstung aus. Die Zeitung wurde mit Hunderten von Leserbriefen überschüttet. Einige davon versprachen, "die Öfen anzuheizen", um Ioanid "als Ersten zu verbrennen". Obwohl antisemitische und rassistische Hetze auch im EU-Land Rumänien strafbar ist, halten sich die Behörden bedeckt. Diese Gleichgültigkeit stachelte in den vergangenen Jahren immer wieder den Nachahmungstrieb von Extremisten an und wirkte auf Trittbrettfahrer wie eine Einladung zu weitläufigeren antisemitischen Störaktionen.

So erklärt sich auch eine Kundgebung vor der israelischen Botschaft, die unlängst von einigen rechtsgerichteten Verbänden organisiert wurde. Ihre Aktion begründeten sie mit dem Hinweis auf die "Opfer des Securitateterrors". In einem an den israelischen Präsidenten Schimon Peres gerichteten offenen Brief forderten sie diesen auf, die für den "kommunistischen Holocaust" verantwortlichen "kommunistischen Juden" öffentlich zu verurteilen.

"Bei der gewaltsamen Errichtung des Kommunismus", heißt es in dem Brief, "haben Ihre Religionsgenossen eine entscheidende und - geschichtlich betrachtet - verurteilungswürdige Rolle gespielt. 90 Prozent der Gründungsmitglieder der Rumänischen Kommunistischen Partei waren Juden, eigentlich sowjetische Kommissare jüdischen Glaubens, die auf russischen Panzern nach Rumänien kamen und das Land 45 Jahre in die Finsternis des roten kommunistischen Terrors stürzten."

Verbündete des Teufels

Zudem ist in dem offenen Brief von einigen "unverschämten Vertretern der jüdischen Gemeinde die Rede, die einen "Angriff auf das orthodoxe Christentum" gestartet haben. Denn diese hätten den Chef der Nationalbank aufgefordert, die Silbermünzen mit den Porträts der "heiligen Patriarchen der rumänisch-orthodoxen Kirche aus dem Verkehr zu ziehen".

Bei der offensichtlich genehmigten Kundgebung wurde der Brief verlesen, mitgeschnitten und auf YouTube gepostet. Selbstverständlich nebst einem Kommentar, der auf die Kritik an der Nationalbank Bezug nimmt: "Achtung, die Talmudisten (…) sind Verbündete des Teufels!"

Die Nationalbank kündigte inzwischen an, die gegen den umstrittenen Patriarchen geäußerten Rassismusvorwürfe prüfen zu lassen. Die orthodoxe Kirche zeigte sich uneinsichtig und erklärte, es handle sich um "einfache Spekulationen und unberechtigte Vorwürfe sowie um eine eher ideologische als wissenschaftliche Auslegung".

 

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