Lobbykritiker verleihen Preis

Bei Monsanto weint die Meerjungfrau

Lobbykritiker verleihen den Preis für den schlimmsten Klimasünder, der bei den Gipfelverhandlungen mitmischt. Monsanto gewinnt wegen seiner Gentechnik-Sünden.

"Von 25 Nominierungen die Acht schlimmsten herausgesucht".  Bild: christian jakob

Helen Burley ist schnell. Innerhalb von Sekunden ruft sie zurück, ein Interview mit ihr dauert nur Minuten. Die Antworten kommen fast druckreif aus dem Mund der jungen Engländerin. In ihrer sachlichen schwarzen Kleidung könnte sie eine der zahllosen Delegierten in den Messehallen des Kopenhagener UN-Gipfels sein.

Doch Burley steht sozusagen auf der anderen Seite. Burley ist Koordinatorin bei "Corporate Europe Observatory", einer Brüsseler NGO, die sich mit “Gefahren für Umwelt und Demokratie" durch politische Lobbygruppen befasst.

Normalerweise organisiert Burley den "Climate Greenwash Award", einen Preis für Unternehmen, die sich auf besonders dreiste Weise einen grünen Anstrich geben, tatsächlich aber klimaschädlichen Geschäften nachgehen. Den hat zuletzt im Mai der schwedische Stromkonzern Vattenfall bekommen. Ausgezeichnet wurde dessen “Meisterschaft, sich als Klimaretter zu inszenieren, und gleichzeitig weiter Geschäfte mit Kohlestrom und Biosprit zu machen,” erklärte die Jury.

Für den Gipfel wollten Burley und ihre Mitstreiter "etwas Internationales machen, das ist ja auch eine internationale Sache hier", sagt sie. Sie taten sich mit anderen Organisationen zusammen: Der Süd-NGO "Focus on the Global South", dem Umweltschutzverband "Friends of the Earth", Attac und einigen anderen.

"Wir wollen zeigen, wie hier Einfluss auf die Regierungen genommen wird, damit wirtschaftliche Interessen vor ökologischen Maßnahmen geschützt werden," sagt Burley. Die Verhandlungen zwischen all diesen Ländern, seien so schon schwierig genug, ohne die Lobbyisten. Mit ihnen würden sie fast unmöglich, glaubt Burley.

Sie lobten den "Angry Mermaid Award" aus, den Preis der wütenden Meerjungfrau von Kopenhagen. ”Von 25 Nominierungen haben wir die Acht schlimmsten herausgesucht," sagt Burley. Seit Ende November war die Abstimmung im Internet möglich, zusätzlich wurden tausende Postkarten beim UN-Gipfel und den Gegenaktionen verteilt. Fast 10.000 Menschen gaben bis Montag ihre Stimme ab.

Am Dienstagnachmittag wird der Preis in einer Feierstunde auf dem Gegengipfel, genannt "Klima Forum" verliehen. Ein Film wird eingespielt, Bilder von Dürren und Flutkatastrophen, dann die Meerjungfrau, die von bösen grauhaarigen Männern mit Koffern voller Geld zum Weinen gebracht wird.Mehrere Hundert Zuschauer sind gekommen, als ein dänischer Schauspieler die Bühne des abgedunkelten Saales betritt. Er lästert etwas unvermittelt über den dänischen Regisseur Lars von Trier, dann stellt er die Liste der Nominierten vor.

An erster Stelle steht die "American Coalition for Clean Coal Energy", der Verband der us-amerikanischen Kohlestromindustrie. "Die könnten allein schon für ihren Namen den Preis kriegen," sagt der Schauspieler. 165 Millionen Dollar habe der Verband allein im laufenden Jahr für PR und Einflussnahme auf Washingtoner Politiker ausgegeben.

So geht es weiter: Das "Amerikanische Erdöl-Institut" (API) für eine Kampagne gegen eine US-Unterschrift unter einem Klimaschutz-Abkommen. Der "Rat der europäischen Chemie-Industrie" (CEFIC) für dessen Einsatz für Emissionszertifikate.

Die "Internationale Flugtransport-Gesellschaft" (IATA) dafür, dass sie gegen Klimaschutzgesetze aktiv ist und "irreführende und nichtssagende Zusicherungen zur Reduktion von Emissionen" gegeben habe.

Die "Internationale Emissionshandel-Assoziation" (IETA), weil sie einen globalen Markt für Treibhausgas-Emissionen für Regierungen beworben hat, obwohl dieses keine Reduktion der Emissionen garantiere.

Der US-Chemieriese Monsanto, weil er dafür gesorgt hat, das genmanipulierte Sojapflanzen als klimafreundlich eingestuft werden dadurch CO2-Zertifikate und Subventionen für „saubere Entwicklungsmechanismen" verdient.

Schließlich Shell für seine extrem energieintensive Ausbeutung von Ölsandvorkommen und der südafrikanische Ölkonzern Sasol. Der habe "sein schmutziges Geschäft", Benzin aus Kohle und Gas zu gewinnen damit grüngewaschen, dass er irreführende Annahmen verbreitet hat über die Möglichkeit, das dabei entstehende CO2 in der Erde zu speichern.

"All diese Organisationen verpesten nicht nur die Umwelt, sondern mit ihrer Propaganda auch die Köpfe der Menschen," sagt Nnimmo Bassey von der nigerianischen Sektion von "Friends of the Earth". Die "Carbon Cowboys" seien auch in diesen Tagen im Bella Center aktiv. "Sie werden alles dafür tun, den Prozess zu verzögern und ihn wenn möglich zu verhindern. Sie flüstern den Politikern ihre Lügen ins Ohr und die plappern die nach, wenn sie dran sind."

Der Moderator widerspricht. "Die Politiker kaufen ihnen diesen Scheiß nicht ab", sagt er. "Sie werden dafür bezahlt, ihn zu essen." Das finden die Leute im Publikum lustig. Dann kommt der Stargast, die kanadische Globalisierungskritikerin Naomi Klein. Sie darf den Sieger verkünden.

"Es ist schön bei euch zu sein," sagt Klein. Sie komme gerade vom UN-Gipfel. "Die trauen sich da nicht, die Dinge beim Namen. Aber hier tun wir das. Hier nennen wir die Namen." Man müsse "die Geldströme verfolgen und über die Macht sprechen," wenn man im Kampf gegen die Konzerne und für die Umwelt Erfolg haben wolle.

Von der herrschenden Politik sei da nichts zu erwarten. Der ökologischen Tonfall, den Präsident Obama etwa anschlage, werde gar nichts ändern. "Der amerikanische Senat wird einem ernsthaften Klimaschutzabkommen niemals zustimmen, denn er wird bezahlt von all den Unternehmen, von denen ihr gerade gehört habt," ruft Klein.

Dann gewinnt der amerikanische Chemiekonzern Monsanto. "Eine durchaus vertretbare Entscheidung," sagt Helen Burley hinterher. Dann muss sie schnell gehen. Am nächsten Morgen will sie eine "Lobby Tour" für Journalisten anbieten. Dann werden sie die Grünwascher an ihren Ständen in der Vorhalle des UN-Gipfels besuchen.

 

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