Demo gegen Stadtautobahn

Protest macht Hoffnung

Gegner des Ausbaus der Autobahn 100 demonstrieren auf dem Alexanderplatz.

Zwei der Anti-Autobahndemonstranten vor dem Ahus de Lehrers am Alexanderplatz Bild: dpa

Herbert Gutwirt, ein gedrungener älterer Herr mit hellbrauner Jacke, steigt auf das aufgebaute Rednerpult "Wir verlieren unseren Garten, unsere Wohnung und unser ganzes Umfeld", spricht er ins Mikrofon. Gutwirt wohnt in dem Teil der Beermanstraße in Treptow, die bei dem geplanten Ausbau der Autobahn 100 verschwinden würde.

Rund 60 Demonstranten versammelten sich gestern vor dem Haus des Lehrers am Alexanderplatz, um gegen den Ausbau der A 100 zu protestieren. Die Kundgebung sollte vor allem Öffentlichkeit für das anschließend beginnende Erörterungsverfahren im Berliner Congress Center herstellen. Seit gestern können Bürgerinnen und Bürger ihre Beschwerden bei der Senatsverwaltung einbringen. Etwa 2.500 Einwendungen sind eingegangen.

Die Demonstranten halten Schilder mit einer durchgestrichen Autobahn und der Aufschrift "Stop A 100" in die Höhe. Bürgerinitiativen, die Grünen und Betroffene argumentieren gegen den Ausbau: Sie befürchten eine Überschreitung von Lärm-und Feinstaubgrenzwerten. Außerdem würden Grünanlagen zerstört, günstige und schöne Wohnungen, Gründerzeithäuser und hunderte von Kleingärten müssten weichen.

Herbert Gutwirt steht am Rande der Menge. "Alle Einwohner in unserer Straße sind gegen den Ausbau", sagt er. "Aber an uns ist bisher niemand der Herren da oben herangetreten." Andrea Gerbode von der Bürgerinitiative Stadtring Süd Berlin (BISS), die die Protestkundgebung mitorganisiert hat, sagt: "Viele Leute, die Einwendungen eingereicht haben, haben Angst vor den Anhörungen. Wir wollen sie mit dieser Protestkundgebung ermutigen. Wir sehen die Chance des Erörterungsverfahren ganz gut."

"Schade um den Kiez"

In der Menge steht auch Doreen Kruppa. Die junge braunhaarige Frau in Jeans wohnt ebenfalls in der Beermanstraße. Ihr gefallen die schönen Häuser und die tolle Nachbarschaft. "Es wäre schade um den Kiez und den Treptower Park, hier leben verschiedene Generationen durchmischt zusammen", meint sie. "Ich habe zwar die Befürchtung, dass die Regierung ignorant entscheiden wird, aber auch die Hoffnung, dass der Protest den Weiterbau der A 100 verhindern wird." MARSIDA LLUCA

.

„Richtig schön multikulti“ – Erkundungen im Kiez rund um den taz Neubau:

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de