Nordjemenit Yahya al-Huthi

"Wir wollen keine Diktatur"

Yahya al-Huthi, Vertreter der nordjemenitischen Rebellen in Deutschland, spricht über den Krieg gegen die Zentralregierung in Sanaa und über die regionale Eskalation der Kämpfe durch Saudi-Arabien.

Ein jemenitisches Mädchen in einem Camp für Vertriebene. Bild: dpa

taz: Im Nordjemen wächst die Angst vor einem Flächenbrand, seit die saudische Luftwaffe Angriffe im Grenzgebiet flog. Welche Rolle spielt Riad im Bürgerkrieg?

Yahya al-Huthi: Jemens Präsident Ali Abdullah Saleh lässt sich seit drei Jahrzehnten von den Saudis unterstützen. Schon im Bürgerkrieg gegen den sozialistischen Südjemen haben saudische Wahhabiten an seiner Seite gekämpft. Das Ziel der Saudis ist es, ihre Staatsdoktrin jenseits der Grenze verbreiten.

Und die schiitischen Huthis kämpfen dagegen?

50, Jahja Badredin al-Huthi war Abgeordneter im jemenitischen Parlament, als vor fünf Jahren die Kämpfe zwischen seinem Clan und den Regierungstruppen im Norden des Landes begannen. Anfang 2005 floh er nach Deutschland, wo er Asyl erhielt. Er gilt als politischer Kopf der zaiditischen Rebellen im Exil, sein Bruder Abdulmalik al-Huthi befehligt die Kämpfe.

Wir wehren uns gegen diese Missionierung, schon von Anfang an. Wir können nicht zulassen, dass unser zayditischer Glaube mit Billigung der Regierung unterdrückt wird. Die Saudis wollen unsere Schulen schließen, unsere Bücher verbannen und unsere Moscheen übernehmen. Sie stützen den Präsidenten und machen dabei den Jemen zu einer Drehscheibe des salafitischen Terrorismus.

Die Regierung sagt, Sie wollten einen schiitischen Gottesstaat errichten, mit einem Imam an der Spitze - wie bis zur Revolution 1962.

Wir wollen kein Imamat mehr, die Zeiten sind vorbei. Wir wollen, dass der Krieg aufhört. Aber wir wollen auch keine Diktatur. Saleh regiert seit 31 Jahren. Ist das eine Republik? Eine Demokratie? Wir wollen einen Rechtsstaat, in dem auch die Rechte von Minderheiten garantiert sind.

Es heißt, Sie würden aus dem Iran unterstützt. Führen Sunniten und Schiiten einen Stellvertreterkrieg im Nordjemen?

Das ist Propaganda. Wir sind Zayditen, mit den Schiiten des Irans haben wir wenig gemein. Saleh bringt den Iran ins Spiel, um im Ausland Ängste zu schüren. Und weil er nicht will, dass die Welt sieht, welche Rolle die Saudis im Jemen spielen.

Seit Sie vor dem Bürgerkrieg in Ihrer Heimat geflohen sind, gab es fünf Waffenruhen. Warum halten die nicht?

Das Regime braucht diesen Krieg, um sich an der Macht zu halten. Saleh lenkt damit von seinem politischen und wirtschaftlichen Scheitern ab. Und er sendet seinen Widersachern eine Botschaft: Wer gegen uns ist, den rotten wir aus. Aber das wird ihm nicht gelingen. Die Zayditen haben sich 400 Jahre lang der osmanischen Belagerung widersetzt.

Wofür kämpfen sie?

Wir wollen das Recht, eine politische Partei zu gründen und an fairen und freien Wahlen teilzunehmen, die den politischen Wandel ermöglichen. Wir wollen friedlichen Dialog. Doch das Regime hat sich nie an Vereinbarungen gehalten. In Katar haben wir Anfang letzten Jahres ein Abkommen unterschrieben, und trotzdem gingen die Angriffe weiter. Wir verteidigen uns.

Was ist mit den entführten Deutschen? Die Regierung hat Sie dafür verantwortlich gemacht.

Das war ihr Vorwand, um den Krieg fortzusetzen und im Ausland um Unterstützung zu werben. Wir haben Beweise, dass die Regierung selbst hinter der Entführung der Ausländer steckt. Es gibt Augenzeugen. Außerdem fand die Entführung in einem Gebiet statt, das die Regierung kontrolliert.

Wenn politische Beobachter über den Jemen sprechen, warnen viele vor einem zweiten Afghanistan oder Somalia. Wo sehen Sie das Land in fünf, zehn Jahren?

Der Jemen wird nicht wie Afghanistan oder Somalia - er ist auf dem besten Weg, beides zugleich zu werden. Ganze Dörfer werden zerstört, Flüchtlingslager bombardiert, das Land fällt auseinander. Und zugleich tummeln sich Salafiten, Dschihadisten und Al-Qaida bei uns. Wenn Saleh nur ein Jahr länger an der Macht bleibt, wird der Jemen vollständig zerfallen. Und den Terrorismus in die ganze Welt exportieren.

Was kann der Westen dagegen tun?

Ich appelliere an Deutschland und die internationale Gemeinschaft, die Saleh mit viel Geld unterstützen: Stellt die Entwicklungshilfe ein! Deutschland gibt dem Jemen in diesem und im nächsten Jahr 79 Millionen Euro. Saleh kauft Phosphorwaffen, Streubomben und chemische Kampfstoffe davon, um sein eigenes Volk zu unterdrücken. Wer dieses Regime unterstützt, macht sich nach unserer Überzeugung mitschuldig.

 

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