Streit in Kreuzberg

Feilscherei um den letzten Basar

Die Markthalle in der Kreuzberger Eisenbahnstraße wird vertickt - womöglich an einen unbekannten Investor. Bürgerinitiative unterstützt Alternativkonzept.

Historische Zeichung der Markthalle an der Kreuzberger Eisenbahnstraße Bild: archiv

Wie das so ist auf einem Basar: Was man tatsächlich gekauft hat, weiß man häufig erst später. Ganz ähnlich verläuft derzeit ein Bieterverfahren um eine der letzten Berliner Markthallen. Am Dienstag könnte sich entscheiden, dass die Kreuzberger Markthalle in der Eisenbahnstraße an einen unbekannten Investor mit unbekannten Plänen verkauft wird. AnwohnerInnen befürchten, dass mit der Kiez-Immobilie ein undurchsichtiges Geschäft gemacht werden könnte.

Die denkmalgeschützte Markthallesteht derzeit zum Verkauf. Die jetzige Betreiberin, die Berliner Großmarkt GmbH (BGM), hat sie weitgehend abgewirtschaftet: Die Ketten Aldi, Kik und Drospa haben sich im Ambiente eingerichtet - und mit ihnen ein Hauch von Trostlosigkeit. Doch weil die BGM, ein landeseigenes Unternehmen, aufwendige Sanierungsarbeiten nicht tragen kann, soll die Immobilie privatisiert werden. Dabei, bestätigt Geschäftsführer Andreas Foidl der taz, haben "die ökonomischen Kriterien Vorrang". Ihm liegen derzeit zwei Angebote vor, die bei der Aufsichtsratssitzung am Dienstag auf der Tagesordnung stehen. Damit die Entscheidung aber auch unter stadtentwicklungspolitischen Gesichtspunkten betrachtet wird, fordert Kreuzbergs Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne), die Sache im Abgeordnetenhaus zu entscheiden. "Die BGM ist ein Landesunternehmen, also sollte das Abgeordnetenhaus seine Verantwortung hier auch wahrnehmen."

Schulz war vom Senat aufgefordert worden, eine Einschätzung zu geben, welche stadtentwicklungspolitischen Konsequenzen die beiden Konzepte hätten. Am Montag übersendet er diese an den Senat. Dabei war ihm aufgefallen: Eines der beiden Konzepte ist gar kein richtiges. Laut Schulz sind die Informationen, die der Bieter vorgelegt hätte, bei weitem nicht hinreichend, "um auf dieser Basis belastbare Aussagen zu machen". Er fordert daher, das Verfahren zu entschleunigen und transparenter zu gestalten.

Dem Vernehmen nach soll sich einer der beiden Bieter mit einem "Basar-Konzept" beworben haben, das von der BGM selbst entwickelt wurde. Gerüchten zufolge sieht das Konzept vor, eine Tiefgarage unter die Markthalle zu bauen. Anwohner befürchten daher eine Kommerzialisierung ihres Kiezes.

Auch Wirtschaftsstaatsekretär Jens-Peter Heuer (Linkspartei), der das Gutachten von Schulz angefordert hatte, bestätigte der taz diplomatisch: "Die zwei Angebote haben in konzeptioneller Hinsicht eine unterschiedlich ausgeprägte Tiefe." Heuer ist Mitglied im Aufsichtsrat der BGM.

Der zweite Mitbewerber versuchte am Freitag seinerseits für Transparenz zu sorgen. Gemeinsam mit einer Bürgerinitiative, die 500 Unterschriften für das Projekt gesammelt hatte, stellte die Investorengemeinschaft "Markthalle Neun" am Freitag ihre Pläne vor. "Wir wollen aus der Halle einen authentischen wirtschaftlichen und sozialen Mittelpunkt im Kiez machen und hier auch kulturelle Akzente setzen", sagte Nikolaus Driessen, Mitglied der Investorengruppe. Dazu zählten kulturelle Veranstaltung und die Förderung der heimischen Kulturszene. So sollten im Keller des Gebäudes 40 Bands die Möglichkeit zum Proben haben.

Wie auch immer die Sache endet: Aldi, Kik und Drospa werden bleiben. Sie haben langfristige Mietverträge.

 

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