Trainer Horst Hrubesch

Gewinner, ganz alte Schule

"Er ist eben ein Typ": Dem stets notorisch unterschätzten Horst Hrubesch gelingt als Trainer von zwei DFB-Nachwuchsteams der Spagat zwischen Innovation und Beharren auf den deutschen Tugenden.

Der 57-Jährige ist ein emotionaler Mensch. Bild: dpa

Horst Hrubesch versucht gar nicht erst zu verbergen, für wen sein Herz wirklich schlägt. "Mit dem Jahrgang, der die U19-EM gewonnen hat, habe ich drei Jahre gearbeitet, da baut sich ein Verhältnis auf, diese Jungs könnte ich alle adoptieren", sagt der Fußballtrainer. Seine Stimme wird weich, als er in einem Konferenzraum der Sportschule Kaiserau spricht. Der 57-Jährige ist ein emotionaler Mensch, er kann sehr herzlich sein, und diesen Jahrgang, mit dem er im September die U20-Weltmeisterschaft in Ägypten spielen wird, hat er richtig lieb gewonnen. Über die U21 aber redet er gar nicht freundlich. "Hier habe ich viele gute Individualisten, aber ich habe keine Führungsspieler", sagt er über die Mannschaft, die am Freitag eine 0:4-Demontage von Hollands A2-Nationalmannschaft hinnehmen musste. Am heutigen Dienstagabend bestreitet dieses Team seinen letzten Test gegen Weißrussland vor der EM in Schweden im Juni.

Hrubesch trainiert derzeit die beiden wichtigsten Nachwuchsteams des Deutschen Fußball-Bundes. Dabei galt der Mann, der als Assistent des grandios gescheiterten Bundestrainers Erich Ribbeck einst eine Partie "Paroli laufen lassen" wollte, dessen eigenes Spiel immer als ziemlich eindimensional galt ("Manni Banane, ich Kopf, Tor"), zu Beginn der von Jürgen Klinsmann angestoßenen Revolutionen im DFB als heißester Kandidat für einen schnellen Abschied. Hrubesch sinniert nicht über Pressingopfer, Passgeschwindigkeit oder Bildungsangebote jenseits des Fußballs, er sagt: "Am Ende kommt es auf Charakter und Ehrlichkeit an." Der Hobbyfischer, der einst mit "Dorschangeln vom Boot und an den Küsten" einen ins Dänische und Norwegische übersetzten Klassiker der Angelliteratur verfasste, vertritt die alte Schule beim DFB.

Aber Hrubesch hat eine ganz große Stärke: Er ist ausgesprochen uneitel, sträubt sich nicht gegen Empfehlungen anderer und prüft gründlich, welche Innovationen wirklich weiterhelfen. "Ich weiß nicht, ob man den Fußball neu erfinden kann", sagt er, "aber ich hatte auch nie Probleme mit diesen Neuerungen, ich bin ein Typ, der die Dinge einfach anpackt." Hrubesch setzt Neues um, statt öffentlich darüber zu reden, längst lobt auch DFB-Sportdirektor Matthias Sammer Hrubeschs "Offenheit für neue Maßnahmen". Der Trainer arbeitet stets mit den Methoden, die beim Verband en vogue sind, zeichnet sich aber auch als Bewahrer alter Erfolgsrezepte aus. Hrubesch sei "eine starke Persönlichkeit und ein echtes Vorbild für unsere Junioren-Nationalspieler", findet Sammer.

Denn der Trainer ist einer dieser Siegertypen, die der Sportdirektor ein wenig vermisst beim DFB. 1979, 1982 und 1983 ist der als "Ungeheuer" gefürchtete Angreifer Deutscher Meister mit dem HSV geworden, er gewann den Landesmeisterpokal und erzielte im EM-Finale 1980 beide Tore zum 2:1-Sieg gegen Belgien. Im vorigen Jahr holte er bei der U19-EM den ersten Nachwuchstitel für den DFB seit 1992. "Er ist eben ein Typ", sagt Sammer, dessen Verband sich von den Trainern Stielike, Skibbe und Eilts trennte, nicht aber von Hrubesch, dem Mann, der immer unterschätzt wurde. Erst mit 24 Jahren machte er sein erstes Bundesligaspiel, mit 29 debütierte er im Nationalteam. "Ich stehe dafür, dass man mit harter Arbeit viel erreichen kann", sagt er.

Dafür steht auch die Anekdote von einer Trainingseinheit während der U19-EM, als Flanken in den Strafraum geschlagen wurden, die Stürmer die Bälle aber einfach nicht verwerteten. Die Zuspiele seien nicht genau genug, meinten die Spieler, woraufhin sich Hrubesch kurzerhand selber ins Sturmzentrum stellte und 18 von 20 Hereingaben versenkte. "Ich tue es einfach", sagt Hrubesch. "Wenn ich dahin will, dann tue ich es einfach. Ende. Dann werde ich Europameister. Ich lebe diese Geschichten, ich lebe sie meinen Spielern vor." Hrubesch verkörpert eine Gewinnermentalität, die lange als Grundstein der deutschen Erfolge galt und die dem DFB-Auswahl-Fußball in den vergangenen 10 Jahren ein wenig verloren gegangen ist.

Gerne hätte er den Trainerposten bei der U21 auch langfristig übernommen, doch diese Aufgabe übernimmt nach der EM in Schweden Rainer Adrion, der im Moment noch den überaus erfolgreichen Nachwuchs beim VfB Stuttgart betreut. Nein, ein Problem sei das nicht, versichert Hrubesch. Tatsächlich kann man das verstehen: Für seine wahre Mannschaft, die U19, empfindet der knorrige Trainer offensichtlich etwas mehr.

 

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