Vom Klimawandel bedroht

Malediven kämpfen gegen Untergang

Der Inselstaat droht wegen der Erderwärmung im Meer zu versinken. Der Regierungschef will ihn zum ersten klimaneutralen Land machen. Und spart schon mal für ein Ersatzterritorium.

Idyll Malediven - demnächst unter Wasser?  Bild: dpa

Noch sind die Malediven eine Bilderbuch-Urlaubsidylle: Hunderttausende Touristen sonnen sich jedes Jahr an makellosen weißen Sandstränden des Inselstaates im Indischen Ozean. Die meisten der 385.000 Einheimischen leben verteilt auf 220 Inseln und bestreiten ihren Unterhalt vom Fischfang. Doch damit könnte schon in wenigen Generationen Schluss sein: Die meisten der 1.190 Inseln der Malediven liegen nicht höher als einen Meter über dem Meeresspiegel. Sollte er wie prognostiziert in den kommenden Jahrzehnten ansteigen, würden etliche der Inseln unbewohnbar. Die Malediven würden zu einem der ersten Opfer des Klimawandels.

Kein Wunder also, dass der neue Präsident des Landes, Mohamed Nasheed, versucht, sein Land zum Vorreiter einer weltweiten Klimaschutzkampagne zu machen. Jetzt kündigte er an, die Malediven würden in zehn Jahren das erste Land der Welt mit einer neutralen Kohlendioxidbilanz sein.

Hierfür möchte Nasheed massiv in erneuerbare Energien wie Solartechnik und Windkraft investieren. Außerdem würden die Malediven CO2-Zertifikate von der Europäischen Union aufkaufen und zerstören, um einen Ausgleich für die vielen Urlaubsflüge zu schaffen. "Der Klimawandel bedroht uns alle", erklärte Nasheed. "Die Staaten müssen an einem Strang ziehen, damit wir den CO2-Ausstoß der Wirtschaft eliminieren."

Dafür möchte Nasheed 155 Windkraftanlagen und ein Solarpark in der Größe von einem halben Quadratkilometer installieren lassen, um den Energiebedarf der Einwohner des Landes zu decken. Der Staat werde sein Monopol auf die Stromerzeugung aufgeben und Investoren aus dem Ausland ins Land holen.

Es ist nicht die erste spektakuläre Ankündigung Nasheeds, der erst seit Oktober im Amt ist. Bereits vor seiner Vereidigung gab er ein Statement ab, das es in sich hatte: Die Malediven würden einen Teil ihrer Einnahmen aus dem Tourismus, derzeit mehr als 1 Milliarde US-Dollar, auf die Seite legen, um in einem der benachbarten Staaten Land zu kaufen.

Falls irgendwann alle anderen Maßnahmen scheiterten und der Inselstaat evakuiert werden müsse, wären die Menschen so zumindest nicht dazu verdammt, als "Klimaflüchtlinge" über Generationen in Zelten zu leben. "Es ist unsere Versicherung für die schlimmstmöglichen Auswirkungen", sagte Regierungschef Mohamed Nasheed damals.

Schon jetzt kämpft das kleine Land gegen die Folgen des steigenden Meeresspiegels an. Die Hauptstadt Male etwa, in der auf gerade einmal 2 Quadratkilometern 100.000 Menschen leben, ist von einer drei Meter hohen Mauer umgeben. Sie bietet jedoch nur Schutz vor Unwettern. Ob sie lange standhalten kann, wenn der Meeresspiegel merklich ansteigt, ist fraglich. Mehr als die Hälfte der Einwohner von Kandholhudhoo, einer dicht besiedelten Insel im Norden des Landes, haben ihr Zuhause bereits freiwillig aufgegeben, weil dort immer mehr Häuser immer häufiger unter Wasser standen.

Die Erklärungen Nasheeds in den vergangenen Monaten mögen vor allem dazu dienen, weltweit auf die Gefahr hinzuweisen, der sich das kleine Land durch die Erderwärmung ausgesetzt sieht. Doch Prognosen bestätigen, wie dramatisch die Lage für die Malediven ist: Experten der Vereinten Nationen gehen davon aus, dass der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 im schlimmsten Fall um bis zu 58 Zentimeter ansteigen könnte. Ein großer Teil des Inselstaates wäre dann unwiederbringlich verloren.

 

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