Kritik am Bachelor-Abschluss

"Macht bloß einen Master!"

Bewerber mit Bachelor bekommen meistens untergeordnete Stellen und werden auch schlechter bezahlt, sagt Matthias Jähne von der GEW.

taz: Herr Jähne, gerade verlassen die ersten Bachelor-Absolventen die Hochschulen. Wie gut ist der Berliner Arbeitsmarkt darauf vorbereitet?

Matthias Jähne: Die meisten Unternehmen sagen, dass sie schon von den neuen Abschlüssen "gehört" haben. Die Skepsis gegenüber Bachelor-Absolventen ist aber hoch, was nicht verwunderlich ist: Im Moment gibt es nicht so viele Bachelor auf dem Arbeitsmarkt, weil die meisten Studierenden noch einen Master hinterherschieben.

Warum machen sie das?

Der Bachelor hat ein ziemlich schlechtes Image. Die meisten Studierenden, vor allem an den Universitäten, befürchten, dass sie mit dem Abschluss keine guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Das liegt auch daran, dass im Studium bisher kaum Zeit für Praxisphasen und Auslandsaufenthalte eingeräumt wird. Das setzen die meisten Unternehmen aber voraus. Der Master hingegen wird allgemein, gleichwertig wie das Diplom oder der Magister, anerkannt. Mit einem Master im Gepäck haben die Studierenden also eher eine Chance auf einen Arbeitsplatz.

Angenommen, ein Bachelor-Absolvent bewirbt sich. Wie groß ist seine Chance, sofort einen Arbeitsplatz zu finden?

Wenn der Bachelor-Absolvent mit einem Studenten, der auf Diplom studiert hat, konkurriert, dann ist seine Chance auf den Job mit Sicherheit schlechter. Es sei denn, die Stelle ist direkt auf Bachelors ausgeschrieben. Das ist aber, gerade was die kleinen Unternehmen betrifft, bisher selten. Es gibt auch noch keine belastbaren Zahlen, die etwas Genaues über die Perspektive von Bachelor-Studenten aussagen.

Welchen Stellenwert hat der Bachelor im Unternehmen?

Zurzeit sieht es leider noch so aus, dass der Bachelor nicht genauso anerkannt wird wie andere Hochschulabschlüsse. Das wirkt sich natürlich auf die Hierarchie aus. Bewerber mit Bachelor bekommen meist untergeordnete Stellen und werden auch schlechter bezahlt. Die Wahrscheinlichkeit, dass dem Bachelor-Bewerber zu Berufsbeginn eine führende Position in der Firma zugeteilt wird, ist gering.

Hat denn ein Bachelor-Absolvent im Unternehmen die Möglichkeit sich weiterzubilden?

Das hängt vom Unternehmen ab. Im Moment sind es meist die großen Firmen, die es sich leisten können, Weiterbildungskurse anzubieten. Manche schicken ihre Sprösslinge wieder zurück an die Uni und finanzieren ihnen ein Masterstudium. Das sieht aber bei kleineren Unternehmen anders aus.

Wie sieht der Berliner Arbeitsmarkt für Bachelor-Studenten aus?

Ich denke, da unterscheidet sich Berlin nicht groß von den anderen Bundesländern. Erschwerend kommt aber hinzu, dass in Berlin die Arbeitslosigkeit besonders hoch ist und viele Stellen abgebaut werden.

Gibt es von den Hochschulen und dem Senat Reformierungspläne?

Es werden immer wieder Stimmen laut, die einen vierjährigen anstatt einen dreijährigen Bachelor fordern. Diese Idee wurde aber an den Universitäten noch nicht umgesetzt. 2007 haben Studierende der Humboldt-Universität eine "Studierbarkeitsstudie" veröffentlicht, die viele Missstände aufgedeckt hat. Die Uni hat die Studie sehr ernst genommen. Eine Arbeitsgruppe mit den Studierenden prüft jetzt, wo es hapert und was man besser machen könnte. Die DGB-Gewerkschaften fordern einen Kurswechsel bei der Einrichtung der neuen Studiengänge: Qualität muss vor Tempo gehen.

Was raten Sie den Bachelor-Studenten, auch im Hinblick auf Rezession und Finanzkrise?

Macht bloß einen Master! Und jeder Studierende sollte sich schon im Bachelor-Studium Gedanken machen, wie die berufliche Perspektive aussehen kann. Darüber hinaus ist es immer ratsam, frühzeitig in Kontakt mit Unternehmen zu treten. INTERVIEW:

NORA GROSSE-HARMANN

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