Uni stoppt Werbung für McKinsey

Elite-Studis müssen sich wieder selbst um Jobs kümmern

Nach Kritik von Datenschützern hört die FU auf, Werbebriefe von potenziellen Arbeitgebern wie McKinsey an Studierende zu verschicken.

Immer auf der Suche nach der ersten Sprosse der Karriereleiter - Studierende im Hörsaal Bild: AP

Die Freie Universität (FU) hat eine umstrittene Kooperation mit den Unternehmensberatungsgesellschaften McKinsey und Boston Consulting beendet. Die Universität habe sich "entschieden, bis auf weiteres davon Abstand zu nehmen, Einladungen von potenziellen Arbeitgebern an ausgewählte Studierende zu übersenden", heißt es in einem Brief der Universität an den Datenschutzbeauftragten des Landes Berlin, Alexander Dix. Der hatte zuvor moniert, dass die Kooperation unzulässig sei.

Die Freie Universität hatte in den vergangenen Jahren die Unternehmen McKinsey und Boston Consulting bei deren Rekrutierung von Nachwuchs unterstützt. Dazu hatte die FU geeignete Wirtschaftswissenschaften-Studierende nach den Vorgaben der Unternehmen ausgewählt: McKinsey wollte die Studierenden ansprechen, die ihr Vordiplom nicht schlechter als mit der Note 2,3 gemacht haben und keine Langzeitstudenten, also seit maximal elf Semestern dabei sind. Boston Consulting wollte die besten 10 bis 15 Prozent der Absolventen erreichen.

Die Universität verschickte dann Briefe der Unternehmen an diese Studierenden, in denen sie zu Werbeveranstaltungen eingeladen wurden. In einem Brief hieß es etwa, die McKinsey-Mitarbeiter seien "maßgeblich an Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft beteiligt". Mehr könnten die Studierenden bei einem persönlichen Treffen erfahren. Dabei werde auch "über Ihre individuellen Einstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten bei McKinsey" informiert - Abendessen inklusive. Der Brief ging im Mai vergangenen Jahres an 173 Empfänger, die Freie Universität erhielt für Porto und Aufwand eine Entschädigung von 200 Euro. Im gesamten Jahr 2007 verschickte der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften 247 solcher Briefe - nur die allerbesten Studierenden der "Elite-Uni" erhielten die Einladung zu der Veranstaltung.

Und genau diese Vorauswahl war nach Ansicht des Datenschutzbeauftragten nicht erlaubt. Die Universität dürfe ihr Wissen über die Noten der Studierenden nicht dazu verwenden, um für Unternehmen eine Vorauswahl von passenden Bewerbern zu treffen, befand Alexander Dix. Dadurch sei das Prinzip der Chancengleichheit im Bewerbungsverfahren "von Anfang an verletzt". Es fehle auch an einer Rechtsgrundlage. Zwar soll die Universität laut Hochschulgesetz auch auf den Beruf vorbereiten. Doch "ob die Unterstützung von Werbung (oder Abwerbung) der besten Studenten schon vor Ende des Studiums durch bestimmte renommierte Unternehmen dazu gehört, bezweifle ich", erklärte der Datenschutzbeauftragte in einem Schreiben an die FU.

Die Freie Universität hatte die Kooperation bislang stets verteidigt. Pressesprecher Goran Krstin nannte sie eine "Serviceleistung für Studierende", um jene "auf dem Weg in den Beruf zu unterstützen". Auch in dem Brief an Dix schreibt die Universität, die Nutzung der Daten sei sehr wohl rechtmäßig gewesen. Man werde dennoch künftig bis auf weiteres darauf verzichten - dies sei unabhängig von der Kritik des Datenschutzbeauftragten. Aus welchen anderen Gründen die Universität die Kooperation jetzt beendet, wollte sie der taz auf Anfrage allerdings nicht mitteilen.

McKinsey "bedauert" die Entscheidung der Freien Uni ausdrücklich und begründet das damit, dass jetzt "die Unterstützung für Studierende bei der Berufsorientierung erschwert wird". Womöglich kommt das Bedauern auch daher, dass McKinsey die Studi-Daten der Universität so extrem günstig nutzen konnte. Es gab schließlich keinen anderen Weg, auf dem das Unternehmen Elite-Studierende so billig und so gezielt ansprechen konnte.

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