Militante in Griechenland

Linke Gruppe greift zur Waffen

Die Gruppe "Revolutionärer Kampf" hat die Verantwortung für mehrere Anschläge auf die Polizei übernommen. In einem Manifest proklamiert sie den bewaffneten Kampf.

"Nach allem, was geschehen ist, wird jeder, der Bulle bleibt, mitschuldig", meint die EA. Bild: dpa

Das Rätselraten ist zu Ende. Zu den Schüssen, die am 5. Januar in Athen einen 21-jährige Polizisten schwer verletzt haben, bekannte sich letzte Woche eine terroristische Gruppe namens "Revolutionärer Kampf" (epanastatikos agonas oder EA), die sich zugleich zur "bewaffneten Avantgarde" der sozialen Bewegung in Griechenland ausrief.

Die Wochenzeitung Pontiki veröffentliche am vergangenen Donnerstag ein 11-seitiges Manifest, mit dem die Gruppe nicht nur die Verantwortung für den Anschlag vom 5. Januar übernimmt, sondern auch für die Schüsse auf einen Polizeibus am 29. Dezember 2008. Im letzten Fall wurde niemand verletzt, in beiden Fällen war die Tatwaffe eine Kalaschnikow.

Darüber hinaus bekennt sich der EA zu einem bislang ungeklärten Attentatsversuch. Am 24. Oktober 2008 hatte sie am Eingang der Athener Hauptverwaltung von Shell eine Bombe platziert, die aber nicht explodierte. Der Sprengstoff stammte von einem Diebstahl in einem Steinbruch, der 2003 stattgefunden hatte. Die Gruppe ist also seit mindestens fünf Jahren aktiv.

Ihr wird auch der Überfall auf ein Polizeirevier im Athener Bezirk Nea Ionia vom Frühjahr 2007 zugerechnet. Der EA hat sich bereits mit einigen Manifesten an die Öffentlichkeit gewandt. In ihrem jüngsten Bekennerschreiben bezeichnet die Gruppe ihre Aktionen gegen die Polizei als Vergeltung für den Tod des 15-jährigen Schülers Alexis Grigoropoulos, der am 6. Dezember im Athener Exarchia-Viertel von einem Polizisten erschossen worden war.

"Auf die Kugel haben wir mit Kugeln geantwortet." Die Bereitschaftspolizei (MAT) wird als eine "Truppe bewaffneter und ausgebildeter Mörder" bezeichnet. Ihre Mitglieder und alle griechischen Polizisten werden aufgefordert, tätige Reue zu üben und ihren Beruf aufzugeben: "Nach allem, was geschehen ist, wird jeder, der Bulle bleibt, mitschuldig", erklärt der EA drohend.

Mit solcher Argumentation gibt die Gruppe klar zu erkennen, dass sie sich als Erbin der "Revolutionären Organisation 17. November" sieht, die das Land von 1975 bis 2002 in Atem gehalten hatte. Wie der 17N, der bei über 100 Attentaten 23 Menschen umbrachte, beschreibt der EA genau den Verlauf seiner Aktionen. Dabei mokiert er sich über das Versagen der Staatsgewalt: Am 5. Januar hätten sich die beiden Kollegen des angeschossenen Polizisten feige in Sicherheit gebracht; 20 weitere Polizisten, die ganz in der Nähe in einem Polizeibus saßen, seien "Memmen", weil sie nicht eingegriffen hätten und nur "ihr eigenes Fell retten" hätten retten wollen. Die politische Analyse der Gruppe ist ähnlich schlicht wie die ihrer Vorgänger vom 17N. Seit dem Tod des jungen Alexis habe die Mehrheit der Bevölkerung verstanden, dass "die Würde des menschlichen Lebens […] nur noch mit Waffen verteidigt werden kann". Die ökonomische Krise eröffne "revolutionären Kräften die einmalige Chance, die Revolution voranzutreiben".

Als Ziel dieses Kampfes wird nicht weniger als die "Abschaffung des Kapitals und des Staats" proklamiert. Die Gruppe kritisiert alle politischen Parteien und diagnostiziert weltweit den Bankrott aller Sozialdemokratien. Offensichtlich ist, dass die Ideologie des antistaatlichen Terrorismus eine neue Generation von Anhängern gefunden hat.

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de