Israel und Hamas kämpfen weiter

Sieg der Hardliner im Gazakrieg

In Israel und bei der Hamas setzen sich Befürworter eines harten Kurses durch. Friedensgespräche stocken. In Gazas Außenbezirken gab es heftige Kämpfe.

Israelische Militärfahrzeuge auf dem Weg in den Gazastreifen. Bild: reuters

Bei der Entscheidung über Ende oder Fortsetzung der Kämpfe im Gazastreifen haben sich vorerst die Hardliner beider Konfliktparteien durchgesetzt. Israelische Truppen haben sich am Montag in den Außenbezirken Gazas schwere Gefechte mit Kämpfern der Hamas geliefert, ohne in die dichter besiedelten Gebiete der Stadt vorzudringen. Die Hamas lehnt unverändert den von Frankreich und Ägypten vorgelegten Friedensplan ab, schickte aber erneut Vertreter aus Damaskus und Gaza zu weiteren Verhandlungen nach Kairo. In der Frage um den Waffenstillstand verfolgt die Exil-Hamas einen unerbittlicheren Kurs als die islamistische Führung im Gazastreifen.

Die Reise des israelischen Verhandlungsführers Amos Gilad wurde unterdessen auf unbestimmte Zeit verschoben. Laut einem in der links-liberalen Haaretz veröffentlichten Bericht vertieft sich der Konflikt zwischen Premierminister Ehud Olmert, Außenministerin Zipi Livni und Verteidigungsminister Ehud Barak über die Fortsetzung des Krieges. Vor allem Olmert drängt auf eine Fortsetzung.

"Im Moment sieht es nicht so aus, als würde ich nach Kairo fahren", sagte Gilad der Yediot Achronot. Das sei jedoch keine Katastrophe, da er permanent telefonisch in Kontakt mit den ägyptischen Vermittlern stünde. Der israelische Chefdelegierte gab sich zuversichtlich. Die Hamas sei nicht länger in einer Position der Stärke, im Gazastreifen ginge es für sie inzwischen um das politisches Überleben. "Sie müssen retten, was zu retten ist."

Von nicht weniger als fünf verschiedenen Strömungen bei den Islamisten spricht der Hamas-Experte Eli Karmon vom Interdisziplinären Zentrum für Counter-Terrorismus in Herzlia. Allein im Gazastreifen stehen sich demnach die "moderate politische Führung unter Expremierminister Ismael Hanijeh, die radikale politische Führung unter Exaußenminister Mahmud A-Sahar und der militärische Flügel" gegenüber. Dazu kommt die "traditionell moderatere Hamas im Westjordanland", deren Köpfe im Gefängnis sitzen, und das Politbüro in Damaskus.

Die Verhandlungsdelegation, die die Hamas nach Kairo schickt, besteht aus je zwei Vertretern aus Damaskus und aus Gaza. Die Exilführung, die schon in der Vergangenheit stets eher einen radikalen Kurs fuhr, drückt jetzt erneut auf die Bremse. "Für die Leute, die im Hotel sitzen, ist ein Waffenstillstand nicht so dringend wie für die, die im Bunker verharren", kommentiert Mordechai Kedar vom Begin-Sadat-Zentrum für Strategische Studien in Tel Aviv. Allerdings habe auch die Hamas in Damaskus ein Interesse daran, dass die Regierung in Gaza nicht stürzt.

Beide Experten hoffen darauf, dass die Islamisten durch die Militäroperation und dem von Israel angestrebten Ende des Waffenschmuggels auf kurz oder lang so weit geschwächt sein werden, dass die von der Fatah kommandierten Sicherheitskräfte erneut das Kommando im Gazastreifen übernehmen können. Dem ägyptisch-französischen Vorschlag zufolge würde im Rahmen eines Waffenstillstandsabkommens die Force 17, die Präsidentschaftsgarde der Fatah, am Grenzübergang Rafah postiert werden. "Damit hätte die Palästinensische Autonomiebehörde schon wieder einen Fuß drin", analysiert Karmon.

 

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