Attentat auf Passaus Polizeichef

Nazis spotten über das Opfer Mannichl

Der Passauer Polizeidirektor Alois Mannichl ist wegen seiner Haltung gegen rechts schwer verletzt worden - und wird von den Neonazis dafür im Internet verspottet.

Böse Worte von Neonazis im Internet. Bild: ap

BERLIN taz "Will der Sack jetzt noch Mitleid haben oder was?", schreibt ein User in einem Naziforum. "Wer sagt uns denn, dass Mannichl nicht in noch ganz andere Sachen verstrickt ist?", meint ein anderer. Ein Neonazi beschimpft Mannichl als "Feind unseres Volkes". Der Täter hingegen, nach dem am Montag weiter gefahndet wurde, wird von den Rechtsextremen bejubelt. "Wenn es ein Rechter war, dann hat er auf jeden Fall meine Sympathie", heißt es auf einer Szeneplattform. Ein anderer schreibt: "Wahrscheinlich ist es eher eine Racheaktion von Knackis oder es war ein Exliebhaber aus dem Homo- oder Strichermilieu."

Um zumindest vordergründige Distanzierung bemüht ist die NPD-Parteiführung, hat doch das Attentat auf Mannichl sofort eine erneute Debatte über ein Verbot der Partei losgetreten. Gleich am Montagmorgen hat der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt Stellung zu dem Mordanschlag genommen. Nicht zum ersten Mal betont die Partei nach einem vermuteten rechtsextremen Tatmotiv: "Die NPD setzt sich mit den vielfältig vorhandenen politischen Gegnern auseinander und nicht mit Gewalt." Sie missbillige den Anschlag "aufs Schärfste". "Der hinterhältige Anschlag auf den Vater von zwei Kindern gehört nicht zu unserer Auseinandersetzung mit ihm."

Mitgefühl für Mannichl scheint Voigt, der in Bayern wohnt, allerdings nicht zu haben. Er lässt mitteilen: "Der Passauer Polizeichef hat sein Amt missbraucht und mit Hilfe seines Polizeiapparates die nationale Opposition bekämpft. Mit seinen Mitteln war er nie zimperlich." Voigt sorgt sich viel mehr, dass mit dem Mordanschlag "nicht nur der NPD, sondern dem gesamten nationalen Widerstand ein sehr schlechter Dienst erwiesen" wurde.

In den vergangenen Monaten war die NPD-Parteiführung besonders wegen der "Autonomen Nationalisten" besorgt. Jene "Freie Kameradschaften" betonen, den Staat angreifen zu wollen. Gewalt - auch gegen Polizeibeamte - gehört dazu. Die Partei befürchtet deshalb, dass ihr bemüht bürgerliches Image durch gewalttätige Aktion gefährdet werden könnte. Denn trotz beiderseitiger Kritik und Skepsis wirken NPD und die "Autonomen Nationalisten" bei Aktionen zusammen - von Wahlkämpfen bis Open-Air-Rechtsrockevents. Und auch NPD-Chef Voigt erklärt auf Parteiveranstaltungen gerne mal: "Wir schlagen zurück".

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