Waffenkonzern als Sponsor

Schmutziges Geld für Nobelpreise

Die schwedische Nobelstiftung stört sich nicht an Sponsorengeldern eines Waffenkonzerns. Doch aus den Gremien, die die PreisträgerInnen auswählen, kommt jetzt Kritik.

Macht in Atombomben und Militärhubschraubern: Waffenfirma Honeywell. Bild: dpa

STOCKHOLM taz Honeywell steht auf der Liste der weltweit größten Waffenkonzerne, die das Stockholmer Friedensinstitut Sipri führt, auf Platz fünfzehn. Honeywell verdient unter anderem an der Konstruktion von Atombomben und Teilen für Militärhubschrauber. Und Honeywell sponsert zwei Unternehmen, die zur schwedischen Nobelstiftung gehören. Aus ihrem Portefeuille kommen die Preisgelder für die alljährlichen Nobelpreise, die am Mittwoch verliehen werden.

Nachdem der schwedische Rundfunk über dieses Thema berichtete, wächst die Kritik renommierter Mitarbeiter der Nobelstiftung gegenüber den Medien an dieser Sponsorenbeziehung. Professor Håkan Wennersten, Mitglied des Gremiums, das die PreisträgerInnen für die Chemienobelpreise bestimmt, meint, dass eine Firma wie Honeywell "absolut nicht" zu den Sponsoren der Nobelstiftung gehören sollte. Ähnlich sieht das Professor Hugo Lagercrantz vom Medizinnobelpreiskomitee. Und Anders Bárány, Mitglied der schwedischen Königlichen Wissenschaftsakademie und früherer Sekretär des Komitees für die Physiknobelpreise, fordert: "Man sollte sich seine Sponsoren genau ansehen. Und hätte ich die Auswahl gehabt, hätte ich die nicht gewählt."

Dass der Dynamitfabrikant Alfred Nobel die Nobelpreise und speziell einen Friedensnobelpreis stiftete, soll auch mit seinem Unbehagen darüber zu tun gehabt haben, welche Wirkungen die von ihm entwickelten Sprengstoffe bei Anschlägen und im Bombenbau entfalten können. Doch bei der Nobelstiftung sieht man mit dem Sponsorenabkommen keine Probleme. Michael Sohlman, Chef der Nobelstiftung, wies vor der Presse darauf hin, dass ja nicht das Unternehmen Honeywell direkt als Sponsor auftrete, sondern Honeywell Home Solutions, eine, so Sohlman, "international hoch angesehene Stiftung". Diese aber ist, wie er auch nicht bestreitet, Teil des Honeywell-Konzerns. Man dürfe nicht vergessen, so Sohlman weiter, dass die Basis dafür, dass es die Nobelstiftung und den Nobelpreis überhaupt gibt, die Tatsache gewesen sei, "dass Alfred Nobel die Firma Bofors zu einem avancierten Waffenproduzenten machte".

Einmal Waffen, immer Waffen? So will sich Sohlman auch nicht verstanden sehen: Er meine nicht, dass die Stiftung deshalb "mit so etwas zu tun haben" sollte. Bárány, der jetzt stellvertretender Chef des Nobelmuseums ist, findet es demgegenüber geradezu "tragisch", dass nun neue Waffengelder für Aktivitäten der Nobelstiftung einem Prozess zuwiderliefen, den er als eine seit 100 Jahren anhaltende "Ausdünnung" der ursprünglich auf Kanonen und Granaten beruhenden Grundlage der Nobelpreise ansieht: "Jedes Jahr ist dieser Schmutz ein wenig mehr weggewischt worden. Mittlerweile ist dieser Zusammenhang kaum noch da. Und dann das."

Stiftungschef Sohlman will erst dort eine Grenze ziehen, wo Unternehmen "primär Waffenproduktion betreiben". Honeywell betreibt nur zu etwa 15 Prozent des Umsatzes reine Waffenproduktion. Der Konzern steht aber auf der schwarzen Liste der meisten Fonds, die ihren AnlegerInnen eine "ethische" Geldanlage versprechen. Carina Lundberg-Markow, Verwaltungschefin von KPA, einem ethisch ausgerichteten Pensionsfonds der schwedischen Kommunalangestellten, hält die Nobelstiftung für blauäugig: Unternehmen wie Honeywell verfolgten ja einen Zweck mit ihren "wohltätigen" Aktivitäten. Sie hielten es sicher für vorteilhaft, im Zusammenhang mit den Nobelpreisen genannt zu werden: "Aber der Gewinn für die Nobelstiftung dürfte wohl eher zweifelhaft sein."

 

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