AKW-Gegnerin über Vorbeugehaft

"Es war der reine Psychoterror"

Die französische AKW-Gegnerin Cécile Lecomte wurde kurz vor den Castor-Transporten in Vorbeugehaft genommen.

Der Atommüll-Transport auf dem Weg nach Gorleben Bild: dpa

taz: Frau Lecomte, wie ist es Ihnen in Braunschweig in der Haft bei der Polizei ergangen?

Cécile Lecomte: Ich war allein eingeschlossen in einem großen, kahlen Raum mit weiß gestrichenen Wänden, ohne Fenster. Tag und Nacht war die Zelle von Neonlicht hell erleuchtet. Zudem war ich ziemlich von der Außenwelt abgeschnitten. Ich hatte nichts zu lesen, man gab mir nichts zum Schreiben, und ich konnte auch nicht Radio hören oder fernsehen. Telefonieren durfte ich nur mit meiner Anwältin. Pro Tag gab es zehn Minuten Ausgang, und dabei war ich eng an eine Polizistin gefesselt.

Haben die Beamten denn berücksichtigt, dass Sie gar keine Strafe zu verbüßen hatten, sondern vorbeugend eingesperrt wurden?

Keineswegs - es war der reine Psychoterror. Die Beamten haben mich oft angebrüllt. Dazu gab es Sprüche wegen meiner französischen Staatsbürgerschaft. In keineswegs höflichen Worten legte man mir nahe, nach Frankreich zurückzukehren und lieber dort zu protestieren. Das ist aber wohl der normale Ton der Beamten gegenüber Ausländern.

Wie endete die Haft?

Es ging mir dann sehr schlecht. Ich war auf die Verhaftung nicht vorbereitet. Zudem leide ich an Rheuma und muss mich regelmäßig bewegen. Meine Krankheit verschlimmerte sich. Als die Polizei dann eine Ärztin zu mir ließ, hat sie mir erst mal ein paar Zeitungen besorgt, und ich hatte wenigstens was zu lesen. Meine Anwältin hat dann nach dreieinhalb Tagen durchgesetzt, dass ich am Sonntag um 19 Uhr aus gesundheitlichen Gründen entlassen wurde und nicht erst um 24 Uhr.

Warum ist die Polizei so mit Ihnen umgesprungen?

Die haben mich zur Abschreckung herausgepickt. Das Ganze war willkürlich und völlig unverhältnismäßig. Viele andere, etwa prominente Grünen-Politiker, hatten ja vorher Blockaden gegen den Castor angekündigt und sind nicht verhaftet worden. Über den Gleisen an einem Kletterseil zu hängen ist nur eine Ordnungswidrigkeit, für die allenfalls eine Geldbuße zu zahlen ist. Da droht da kein Knast. Die Polizei hatte von vornherein vor, mich einzusperren, weil ich mich schon vorher an Kletteraktionen gegen die Atomkraft beteiligt hatte. Als ich zu der Anhörung kam, hatte der Richter den Beschluss über den Gewahrsam schon fertig. Jedenfalls hat er gleich anschließend zweieinhalb Seiten vorgelesen. Auch die Polizei besaß schon eine Akte über mich. Dennoch werde ich mit dem Klettern weiter gegen die Atomkraft protestieren.

INTERVIEW: JÜRGEN VOGES

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben