Urteil gegen Jürgen Emig

Knapp drei Jahre Haft

Der einstigen Sportchef des Hessischen Rundfunks Jürgen Emig muss für zwei Jahren und acht Monate ins Gefängnis. Der 63-Jährige hat jahrelang Sponsorengelder in die eigene Tasche gesteckt.

Der Bestechlichkeit und der Untreue in sechs Fällen für schuldig befunden: Jürgen Emig. Bild: dpa

Die Richter der 12. Strafkammer befanden den 63-jährigen Emig der Bestechlichkeit und der Untreue in sechs Fällen für schuldig. Der frühere Sportchef des Hessischen Rundfunks war angeklagt, mehrere hunderttausend Euro an Provisionen von Sportveranstaltern und Sponsoren über eine Strohfirma in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Wegen des langwierigen Verfahrens gelten fünf Monate der Haftstrafe bereits als verbüßt. Gegen das Urteil können sowohl Emig als auch der Staatsanwalt Revision beim Bundesgerichtshof einlegen.

Mit ihrem Spruch blieben die Richter unter der Forderung der Anklage, die für den Radsportexperten dreieinhalb Jahre Haft beantragt hatte. Emigs Anwalt hatte eine Bewährungsstrafe gefordert und erklärt, sein Mandant habe das "Kerngeschehen" unumwunden eingestanden. Zudem müsse das Gericht bei der Strafzumessung berücksichtigen, dass Emigs berufliche Existenz zerstört sei.

Emigs Anwalt wies dem Hessischen Rundfunk eine Mitverantwortung am Geschehen zu. Der Sender habe die Praxis gebilligt, Produktionskostenzuschüsse von Sportveranstaltern zu verlangen. Emig war von 1987 bis März 2004 Leiter der HR-Sportredaktion. Mit Genehmigung des Senders durfte er bei den Veranstaltern von Randsportereignissen Gelder kassieren, wenn deren Sportereignisse übertragen wurden. Auch Sponsoren zahlten, um im Vor- oder Abspann genannt zu werden.

Insgesamt will Emig nach eigenen Berechnungen rund 13 Millionen Euro für seinen Sender eingetrieben haben, in einer anderen Quelle spricht er sogar von 20 Millionen. Diese so genannten Beistellungen sind nach ARD-Angaben legal und waren seinerzeit üblich. Der HR nimmt nach eigenen Angaben seit kurz nach Emigs Rücktritt im Frühjahr 2004 keine Produktionskostenzuschüsse mehr an.

Emig, so sieht es das Gericht nun als erwiesen an, hatte die eingeworbenen Gelder aber nur teilweise an seinen Arbeitgeber weitergeleitet. Im Frühjahr 2001 gründete er gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Harald Frahm die Agentur SportMarketing & Production GmbH (SMP), an die die Sponsoren und Sportveranstalter zahlten. Über eine Firma seiner Frau war Emig verdeckt an der SMP beteiligt. Insgesamt soll Emig laut Anklage 525.000 Euro Schmiergelder kassiert haben. Er habe seine Stellung beim HR für private Geschäfte ausgenutzt, sagte der Vorsitzende Richter Christopher Erhard. Dies sei "in hohem Maße strafwürdig".

Zur Rolle des Senders in der Korruptionsaffäre sagte Richter Erhard, der HR müsse sich "Versäumnisse von Gewicht" vorwerfen lassen. Emig sei nicht genügend kontrolliert worden. Das von HR-Intendant Helmut Reitze eingeleitete Revisionsverfahren zu dem Fall sei gründlich "schiefgelaufen". Dies habe das Gericht strafmindernd berücksichtigt.

Emigs Geschäftspartner Harald Frahm, der Geschäftsführer der Strohfirma SMP war, verurteilte das Landgericht wegen Bestechung und Beihilfe zur Untreue zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung sowie zu einer Geldstrafe von 100.000 Euro. Für ihn sollen vier Monate bereits als verbüsst gelten.

Am Fall Emig hatte sich auch eine Debatte über den Zustand des Sportjournalismus in Deutschland entzündet. „Wir verstehen uns als Gegenentwurf zu Leuten wie Emig", sagte Jens Weinreich vom Sportnetzwerk. Die Vereinigung kritischer Sportjournalisten sieht es nicht als Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, Sportereignisse selbst zu inszenieren. Das Netzwerk spricht sich für eine professionelle Distanz aus statt für Verquickungen zwischen Journalisten und Veranstaltern, wie sie im Fall Emig sichtbar wurden.

hhz mit dpa/AP/epd/rtr

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