Report der Internationalen Energieagentur

Gewaltiges Potenzial für Erneuerbare

Mehr als die Hälfte des Strombedarfs könnte in der EU schon 2020 aus regenerativen Energien gedeckt werden. Doch dafür müsste die Politik Hindernisse abbauen.

Die Zukunft Europas. Bild: dpa

Der Direktor der Internationalen Energieagentur (IEA), Nobuo Tanaka, pflegt stets im gleichen, stoischen Tonfall zu sprechen. Egal, ob er nun, wie gestern in Berlin, vom Ende des Zeitalters billiger Energie und zugleich von einer erwarteten Entspannung des Ölmarktes in den nächsten Monaten spricht. Oder ein paar Details zum Potential erneuerbarer Energie aufzählt. Da klingt es selbst nach einem Nebensatz, wenn er die Zahl von 45.000 Milliarden Dollar nötiger Invesitionen bis zum Jahr 2050 in den Energiesektor nennt.

Bis dahin müssen, so die Kernaussage, 46,5 Prozent des globalen Stromes aus Wasser, Wind, Sonne oder Biomasse gewonnen werden, um die CO2-Emissionen der Menschheit insgesamt um 50 Prozent zu senken. Dezeit sind es 18 Prozent Erneuerbare, hauptsächlich Wasserkraft.

Verglichen hat die IEA die Effektivität von 35 Ländern beim Ausbau regenerativer Energien: Neben den OECD-Mitgliedsstaaten auch die von Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. "Nur wenige Länder haben eine effektive politische Unterstützung für Erneuerbare eingeführt", sagte Tanaka.

Dabei ist das Potential bereits bis zum Jahr 2020 gewaltig: Die EU-Staaten könnten demnach 54 Prozent, die USA 29 Prozent, China 80 Prozent ihres Strombedarfs erneuerbar decken, bezogen auf den Stromverbrauch im Jahr 2005. Island könnte sogar fünfmal mehr produzieren, als dort verbraucht wird. Diese Zahlen gelten als "realisierbar" - was die Technologie als auch Zeiträume zur Planung einschließt.

Allerdings nur wenn optimale Voraussetzungen gegeben sind. Als größtes Hindernis sieht die Studie nicht etwa zu geringe finanzielle Unterstützung, sondern "nicht-ökonomische Barrieren", etwa den beschränkten Zugang zu den Stromnetzen. Auch fehlende "soziale Akzeptanz" spielt eine wichtige Rolle, etwa wenn sich Bürger gegen Windräder einsetzen.

Deutschland kommt in dem Report gut weg, die Förderung der Windkraft wird als effizient benannt, ebenso die von Biodiesel - allerdings bevor die Bundesregierung Steuern darauf einführte. Derart positive Beispiele sollen laut IEA als Vorbild dienen und an unterschiedliche Technologien und Länder möglichst schnell adaptiert werden.

Die gesamte Studie soll bei der Umsetzung des von den G-8-Staaten in diesem Jahr formulierten Ziels helfen, den globalen CO2-Ausstoß bis Mitte des Jahrhunderts zu halbieren. Umweltschützer halten dies allerdings nicht für ausreichend.

Zudem sollen bis dahin nach Vorstellung der IEA je 25 Prozent des Stromes aus Kohlekraft mit CO2-Abscheidung sowie aus über 1.000 neu zu bauenden Kernkraftwerken kommen. Probleme wie die Weiterverbreitung von Kernwaffen oder Anschläge auf AKWs, hält Paolo Frank, Chef der Abteilung für erneuerbare Energien der IEA für technisch lösbar - etwa mit der vierten Generation von Kernkraftwerken. Die seien ab 2040 einsatzbereit.

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben