Portugals Korkwälder bedroht

Winzer verkorksen den Umweltschutz

Weil der Wein nicht mehr nach Korken schmecken soll, schließen die Hersteller ihre Flaschen zunehmend mit Glas, Metall oder Plastik. Das bedroht die portugiesischen Korkwälder.

Korkverarbeitung in Portugal Bild: dpa

Es ploppt immer seltener. Denn der Weinkorken bekommt wachsende Konkurrenz durch Plastik-, Kronkorken, Aluschraub- und Glasverschlüssen. Insgesamt soll bereits jede fünfte Flasche ohne Korken über den Verkaufstresen wandern. In Neuseeland kommen bereits 90 Prozent der Produktion ohne Korken aus. In Griechenland sind es mehr als 50, hierzulande 40 Prozent.

Laut der französischen Tageszeitung Le Figaro sind jetzt auch die Franzosen dabei, umzustellen. Sie wollen zukünftig auch hochpreisige Weine mit Schraubverschlüssen versehen, denen bislang ein Billigimage anhaftet. Denn: Im Naturkorken stecken zahlreiche Stoffe, die den Wein muffig schmecken lassen. Der bekannteste "Fehlton" heißt Trichloranisol (TCA). Insgesamt schätzen Weingourmets, dass zwischen 5 und 20 Prozent der Flaschen mit fehlerhaften Korken verschlossen sind. Der "Korkschmecker" hat schon so manchem kleinen Winzerbetrieb das Genick gebrochen. Der jährliche Schaden für die Weinindustrie wird auf bis zu 2,5 Milliarden Euro weltweit geschätzt.

Die Gründe liegen in der Korkproduktion: Für astreine Verschlüsse muss der mindestens neunjährige Schälrhythmus der Korkeichen berücksichtigt werden, die gelagerte Rinde muss frei von Pilzbefall sein, beim anschließendem Kochen der Korken muss peinlichst auf die Hygiene geachtet werden.

Das alles haben die Korkproduzenten zu lange missachtet, das Geschäft lief einfach zu gut. Seitdem die Konkurrenz gefährlich wächst, ist man darum hektisch auf der Suche nach Gegenmaßnahmen.

In Portugal, das 55 Prozent des Marktes innehat, wird mittlerweile penibel auf Sauberkeit geachtet. Amorim, der größte Korkproduzent, geht mit Dampfdestillation gegen TCA vor. Doch damit allein ist das Problem nicht in den Griff zu bekommen. Nun sucht man Rettung in der Forschung. Der portugiesische Korkverband propagiert etwa eine Mikrowellenbehandlung, um Korktöne aus den Verschlüssen zu verbannen. Eine deutsche Firma hat eine ultradünne Beschichtung entwickelt, die den Kork vor Mikroorganismen schützt, die die gefürchteten Fehltöne verursachen. Wilhelm Weil, Präsident des Verbandes Deutscher Prädikatsweingüter, lobt darum auch die Anstrengungen der Korkhersteller in den vergangenen Jahren.

Trotzdem sind die Winzer verunsichert, und der Trend weg vom Korken ist ungebrochen. Vor zehn Jahren wurden 1,5 Milliarden Flaschen pro Jahr mit einem Naturpfropfen versiegelt, heute sind es nur noch rund 600 Millionen. Die großen Korkproduzenten wie Amorim haben das Problem Fehltöne zwar weitgehend im Griff. "Die Reklamationsquote liegt bei uns bei fast null Prozent", so Gert Reis von Amorim. Vor der Existenzkrise stehen vor allem die kleinen Korkbauern.

Das Verschwinden der traditionellen Korkproduktion wäre für die Umwelt fatal. Denn die europäischen Korkeichenwälder sind nachhaltig bewirtschaftete Gebiete mit großem Artenreichtum. Sie bieten bis zu 100 verschiedenen blühenden Pflanzenarten auf einem Zehntel Hektar Heimat. In Korkwäldern lebt der seltene Iberische Luchs, von dem es schätzungsweise nur noch 150 Exemplare weltweit gibt. Zahlreiche Vogelarten finden hier ein Winterquartier. Zudem sind Korkwälder wahre Kohlendioxidsenker.

Bereits Dreiviertel der mediterranen Korkwälder sollen jedoch laut einem aktuellen Bericht des WWF gefährdet sein. Verschiedene Naturschutzverbände fordern darum immer wieder dazu auf, Naturkorken beim Weinkauf zu bevorzugen. Denn wenn die Korkproduktion nicht mehr lohnt, droht die Umwandlung in Oliven- oder Eukalyptusplantagen - eine Katastrophe für Artenreichtum und die knappen Wasserressourcen.

Auf der anderen Seite ist die Ökobilanz von Plastikkorken und Schraubverschluss wesentlich schlechter als die von komplett wieder verwertbaren Korken. Und auch nicht bei allen Alternativen ist ein einwandfreier Geschmack gewährleistet.

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