Rechte Gewalt

Rechtsextreme schlagen wahllos zu

Rechte Gewalttäter greifen zunehmend Deutsche an, so der Deutsche Anwaltsverein. Das sagen auch Opferberatungsstellen.

Alles was "anders" ist, muss befürchten, das Ziel rechter Gewalt zu werden.  Bild: dpa

HAMBURG taz Die Anträge an die Stiftung contra Rechtsextremisten und Gewalt des Deutschen Anwaltsvereins (DAV) belegen es: Rechtsextreme greifen zunehmend Deutsche an. "Das geht aus den Fällen hervor, die an die Stiftung herangetragen werden", sagte Micha Guttmann, Vorsitzender des Kuratoriums der DAV-Stiftung. Im Jahr 2006 waren 21,6 Prozent der Opfer Deutsche. Im laufenden Jahr sind fast 57 Prozent der Opfer rechtsextremer Gewalt Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft. 2008 sind bisher 30 Anträge auf anwaltliche Hilfe bei der Stiftung eingegangen, 2007 waren es 35.

Der Anteil der weiblichen Opfer ist von 8,1 Prozent auf 23,3 Prozent gestiegen. "Dass vermehrt Frauen Opfer rechter Gewalt werden, zeugt von einer gestiegenen Hemmungslosigkeit der Rechtsextremisten", hebt Guttmann hervor und betont: An der zunehmenden Gewalt gegen Deutsche zeige sich auch, "dass Rechtsextremisten sich gegen alles richten, was ihrer Ansicht nach ,anders' ist".

Beratungsstellen für Opfer rechter Gewalt beobachten diesen Trend ebenfalls. Claudia Teichmann von der Landesweiten Opferberatung, Beistand und Information in Mecklenburg-Vorpommern (Lobbi) glaubt, dass diese Entwicklung etwas anderes spiegelt: "In manchen Ost-Regionen können Rechtsextreme kaum noch auf Menschen mit dunklerer Hautfarbe treffen." Sie betont zudem: Nur wenn die "Tat besonders brutal" verlaufe oder das "Opfer irgendwie prominent" sei, werde berichtet. "Sind die Opfer ,bloß Jugendliche oder Alternative', fragt kaum noch wer nach", so Teichmann.

"Nichtrechte Jugendliche wie Hiphopper sagen uns ganz offen, dass sie so schnell wie möglich von ihren Wohnorten weg wollen", berichtet auch David Begrich vom Verein Miteinander e.V. in Sachsen-Anhalt. Die DAV-Stiftung stellte fest, "das immer wieder Verfahren wegen rechter Gewalt alleine durch das Engagement von Rechtsanwälten nicht eingestellt, sondern zu einem Abschluss gebracht werden".

 

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