Zu laut geprahlt

Der tschetschenische Trophäenjäger

Sulim Jamadajew war Kommandeur des tschetschenischen Bataillons, das von Russland im Krieg mit Georgien eingesetzt wurde. Jetzt musste der ruchlose Krieger seinen Hut nehmen.

Im Tschetschenien-Krieg war Sulim Jamadajew gefürchtet. Das Bild zeigt die zerstörte Hauptstadt Grozny. Bild: ap

Sulim Jamadajew ist Tschetschene und ein berüchtigter Krieger. Zuletzt kämpfte er als Kommandeur des tschetschenischen Bataillons "Wostok", das in Südossetien und im georgischen Poti zum Einsatz kam. Jetzt wurde er vom russischen Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow entlassen und mit sofortiger Wirkung in den Ruhestand geschickt. Das kam nicht von ungefähr. Dem russischen Verteidigungsminister dürfte das Interview, das der vollmundige Tschetschene mit der russischen Internetagentur Utro.ru geführt hat, wohl auch vorgelegen haben.

Und darin dürfte der Kommandeur von "Wostok" wohl doch eine etwas zu dicke Lippe riskiert haben. In dem Interview gab Jamadajew zum Besten, dass seine Einheit das südossetische Zchinwali von georgischen Heckenschützen "gesäubert" habe. Der georgische Feind sei "in kurzen Hosen geflohen", nachdem auf der georgischen Seite Gerüchte die Runde gemacht hätten, tschetschenische Schlächter würden gegen sie eingesetzt. Man habe auch schöne Trophäen aus Georgien mitgebracht, die man aber leider bei der Militärführung habe abgeben müssen.

Ein wenig bedauernd fügte Jamadajew hinzu, dass man in Südossetien ja leider keinen echten Krieg habe führen können, auch wenn dies gewollt gewesen wäre. Der Konflikt mit Georgien, so Jamadajew in dem Interview, sei aber keineswegs beendet, es werde wohl noch genug Arbeit für die Militärs geben. Die Georgier rüsteten wieder auf und holten von den USA ausgebildete Söldner ins Land. Jamadajew schwang sich gar zum Propheten auf: "Wenn die Entwicklung so schnell weiterläuft, wird es nicht 2014, wie Wahrsager voraussagen, sondern schon früher zu einem Krieg mit Amerika kommen."

Menschenrechtlern ist Jamadajew, der noch im ersten Tschetschenienkrieg aufseiten der Aufständischen gekämpft hatte, bevor er 1999 die Seiten wechselte, wegen seiner gefürchteten "Säuberungsaktionen" ein Begriff. 2004 nahmen Truppen Jamadajews und des heutigen tschetschenischen Präsidenten Kadyrow mehrere Dutzend Verwandte des ehemaligen Verteidigungsministers des separatistischen Tschetschenien, Magomed Chambiew, in Geiselhaft. In jüngster Zeit hat sich das Verhältnis der beiden Kampfgefährten verschlechtert. Im Mai verdächtigte Kadyrow Jamadajew mehrerer Morde und Entführungen.

Gerüchten, die in Georgien eingesetzten Tschetschenen hätten hunderten Georgiern die Kehle durchgeschnitten, widersprach Jamadajew. Rache sähe anders aus, vorerst habe man sich für die Morde an Zivilisten und russischen Friedenstruppen nicht gerächt.

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