Nigeria und Deuschland werden Partner

Gas gegen Wissen

Nigeria und Deutschland haben eine Energie-Partnerschaft beschlossen. Die Afrikaner wollen Hilfe, um ihre Stromversorgung zu verbessern. Die Bundesrepublik hofft auf Gaslieferungen.

In diesem Gastank eines Eon-Schiffstanks könnte verflüssigtes Erdgas aus Nigeria bald transportiert werden. Bild: dpa

ABUJA taz Der Weg zum Audienzsaal des nigerianischen Präsidenten verspricht viel. Einer der drei Fotoschaukästen im Flur ist voll mit Bildern, die Umaru Musa YarAdua mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigen. Vielleicht ein gutes Omen für die deutsche Delegation, die u. a. aus Vertretern von Energieunternehmen wie Eon Ruhrgas, Energie Baden-Württemberg (EnBW) sowie Konzernen mit großen Investitionen in Nigeria wie dem Baukonzern Bilfinger Berger und Siemens besteht. Nun wollen Deutschland und Nigeria in einer Zeremonie eine Energiepartnerschaft besiegeln. Darin sichern sich beide Seiten zu, bei rund einem Dutzend Kraftwerksprojekten in Nigeria zusammenzuarbeiten. Die Bundesrepublik hofft auf Gaslieferungen aus dem afrikanischen Land.

Das ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Nicht nur deshalb, weil Nigeria nach Aserbaidschan erst das zweite Land ist, in dem die Bundesregierung über das Auswärtige Amt in dieser Weise Wirtschaftsförderung betreibt, sondern auch weil YarAdua selbst die Zeremonie in seinem Palast in Abuja überwacht. Er hat gleich mehrere Minister und andere Inhaber von Schlüsselposten der nigerianischen Energiepolitik dazubestellt.

Nigeria hat neue Ideen in diesem Bereich bitter nötig. In dem ölreichen Land fließt nur wenige Stunden am Tag Strom durch das staatliche Netz. Der seit einem Jahr im Amt waltende YarAdua will einen Neuanfang. Trotz Milliardeninvestition liegt dieser kritische Bereich nationaler Entwicklung brach. Das Geld versickerte in dunklen Kanälen. Nun könnten die Deutschen eine wichtige Rolle spielen. Denn ihr Ruf ist gut. Siemens kam zwar wegen der Schmiergelder in der nigerianischen Telekommunikationsbranche Ende vergangenen Jahres in Verruf, aber während vieler Jahrzehnte hat der Konzern auch Kraftwerke gebaut, die heute funktionieren und nicht wie viele andere zu Investitionsruinen geworden sind. Die Arbeitsgruppe, die die am Dienstag unterzeichnete Erklärung zur Partnerschaft vorbereitete, hat diverse Projekte zur Energieerzeugung zusammengestellt. Sie beinhalten einen Strommix, der die ganze Palette bietet: Strom aus Erdgas, Kohle, Wasser, Müllverbrennung und Solarenergie. Aber Atomkraft fehlt.

Bei den Projekten will Deutschland Nigeria helfen. Im Gegenzug könnten die Afrikaner den Europäern Erdgas liefern. Deswegen sitzen die Vertreter von Eon-Ruhrgas und EnBW mit im Audienzsaal. Die beiden Konzerne wollen in den nigerianischen Erdgasmarkt investieren. Deutsche Energieversorger nehmen derzeit auch andere afrikanische Liefermärkte wie Äquatorialguinea und Angola ins Visier.

Vielleicht kommt die Schwäche des nigerianischen Präsidenten für deutsches Know-how aus seiner Zeit als Chemiestudent, in der er Produkte made in Germany schätzen lernte. Heute bekommt er ein Geschenk der Bundesregierung, eingewickelt in dunkelblaues Papier mit Adler und schwarz-rot-goldenem Band: Die Berliner Philharmoniker spielen deutsche Komponisten.

 

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