Warum "Dark Knight" nicht den besten Start hatte

Batmans eigentümlicher Rekord

Die beste Werbung ist immer noch Erfolg. Deshalb wirbt die Filmindustrie in den USA mit Einspielergebnissen statt Zuschauerzahlen. So sind Rekorde leichter zu haben.

Fliegt Umsatzrekorden entgegen: Der dunkle Ritter. Bild: reuters

BERLIN taz Die Agenturmeldungen tickern wie gewünscht: "Dark Knight bricht Rekorde: 155,3 Millionen Dollar an drei Tagen" schreibt die Deutsche Presseagentur (dpa) die Erfolgsmeldungen vom Verleiher Warner Bros. nach. Google News zählt am Vormittag 251 entsprechende Artikel online - auch die Zeitungen dürften es am Dienstag brav nachdrucken. Und der Verleiher kann sich freuen: Schließlich startet der Film im August auch in Deutschland. Da sind solche Erfolgsmeldungen genau die Werbung, die man braucht.

Selbstverständlich berichten auch die Medien in den USA ausgiebig darüber. Deshalb werden die Umsätze des ersten Wochenendes nach dem Filmstart so gerne kommuniziert. Vielleicht finden dann ja noch ein paar mehr Kunden ins Kino. Nichts ist so gute Werbung wie der Erfolg.

Der unbedarfte Zuschauer fragt sich nun, warum die US-Filmindustrie ihre Erfolge so komisch misst. Warum sie Einnahmen an der Kinokasse zählt und nicht die Zuschauer, wie etwa in Deutschland. Sollte das denn nicht die wahre Währung sein, die über den Erfolg eines Filmes entscheidet?

Nur die Zahl der Zuschauer ist schwerer zu steigern, als die Einnahmen. Eine Kinokarte wird nämlich jedes Jahr teurer. Ihr durchschnittlischer Preis ist in den USA in den vergangenen zehn Jahren um die Hälfte gestiegen - wie auch der Gesamtumsatz an den Kinokassen.

So kann man auch mit vergleichsweise schlechteren Filmen immer neue Erfolge erzeugen - und damit kostenlose Werbung. Und Rekorde sind nun mal etwas, wonach Nachrichtenmedien schnappen, wie der Hund nach dem Knochen.

Nun wäre es schön, man könnte die Umsätze mit den tatsächlichen Zuschauerzahlen vergleichen. Nur werden die, nach Auskunft von Nielsen EDI, die diese Erhebungen für die Filmindustrie macht, in den USA (wie auch in Großbritannien) gar nicht erst erhoben. Anders als etwa in Deutschland, wo Nielsen EDI ebenfalls tätig ist.

Will man also Filme aus verschiedenen Jahren vergleichen, muss man deren Zuschauerzahl schätzen. Nach der offiziellen Darstellung hat die Batmans Fortsetzung "Dark Knight" den Film "Spider-Man 3" (vom Mai 2007) vom ersten Platz verdrängt. Rechnen wir doch mal nach.

Nimmt man etwa an, dass die Kinopreise seit 2007 so zugenommen haben, wie in den vergangenen zehn Jahren (etwa 4 Prozent im Jahr), und korrigiert entsprechend, dann ergibt sich ein inflationsbereinigtes Einspielergebnis nach Preise von 2007 von 149 Millionen Dollar. Der dritten Teil der "Spider-Man"-Serie, spielte an seinem ersten Wochenende aber 151 Millionen Dollar ein. Doch kein Rekord für "Dark Knight". Jedenfalls nicht wirklich.

Es gibt weitere Faktoren, die dazu führen, dass die Einspielergebnisse des ersten Wochenendes tendenziell zunehmen. So nimmt die Zahl der Kinoleinwände in den USA seit Jahren eher zu. Und die Filmverleiher gehen mit immer mehr Filmkopien in den Start eines Filmes. Ein weiterer Faktor, der neue Filme, gegenüber den Produktionen aus den Vorjahren bevorzugt.

So wurde der ebenfalls stark gehypte "Star Wars - Episode II" vor sechs Jahren noch in knapp 3.200 Kinos aufgeführt. Der jüngste "Batman" läuft in über 4.300 Kinos. Das hat zwei Gründe: Erstens ist die Angst der Verleiher groß, Zuschauer zu verlieren, sobald die ersten Raubkopien im Netz kursieren. Zweitens schafft man so ein Event, das wieder Werbung generiert.

Wie sehr diese Umsätze am Start-Wochenende den Blick vernebeln zeigt auch ein Blick auf die endgültige Statistik. "Spider-Man 3" rangiert da bloß auf Platz 15 hinter Filmen wie "Titanic", "Star Wars" oder "Shrek II". Inflationsbereinigt führt übrigens "Vom Winde verweht" von 1939 die Statistik an. Mit dieser Zeit freilich, ist die heutige Kino-Kultur nur schwer zu vergleichen.

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