Transsexueller schwanger - ein Pro und Contra

Mutter oder Vater?

Er trägt Bart und einen Babybauch: Der Transsexuelle Thomas Beatie wird demnächst ein Baby gebären. Aber ist er Vater oder Mutter des Kindes?

Kann Mann jetzt doch Babys kriegen? Bild: dpa

GANZ KLAR, VATER!

Thomas Beatie dürfte momentan sehr aufgeregt sein. Der 34-jährige US-Amerikaner wird Vater, jeden Moment können die Wehen bei ihm einsetzen - Beatie soll am Donnerstag ein Kind gebären. Für die konservative Öffentlichkeit ist der Mann völlig unmöglich, er ist indiskutabel. Diskutabel ist allerdings, ob ein Transsexueller Mann Kinder bekommen darf. Seit das Bild des verträumt schauenden Beatie, der über seinen Babybauch streichelt, um die Welt ging, ist ein Flächenbrand der Empörung entbrannt. Die mediale Exekution setzte sofort ein. "Eine Geschichte irgendwo zwischen sexueller Selbstfindung und Gruselkabinett", befand die Welt. Denn es geht auch um die Frage, welchem Geschlecht Beatie nun eigentlich angehört. Ist er jetzt ein Mann oder eine Frau? Wird er Vater oder Mutter?

Thomas Beatie wurde als Frau geboren, begann vor zehn Jahren mit einer Geschlechtsanpassung, nahm Testosteron, ließ sich seine weiblichen Brüste entfernen, aber behielt die Gebärmutter samt Eierstöcken und Vagina. Er ist jetzt ein transsexueller Mann, rechtmäßig mit einer Frau verheiratet. Weil seine Gattin Nancy keine Kinder bekommen kann, entschied das Paar, dass Thomas den gemeinsamen Nachwuchs austragen soll. Die Samen von einer Spenderbank haben sie nach eigenen Angaben gemeinsam zu Hause eingeführt. Der Boulevard vermutete zunächst eine Inszenierung, aber als der schwangere Mann in einer US-Talkshow Ultraschallbilder seines Babys zeigte, wurde klar: Das ist echt.

Für die einen ist es ein Etikettenschwindel, für den Betroffenen ist klar: "Mal davon abgesehen, dass in mir ein Leben heranwächst, geht es mir gut und ich bin überzeugt, ein Mann zu sein", so Beatie. Ein Satz, der akzeptiert werden muss.

Beatie hat sich nicht in einem emotionalen Gemischtwarenladen bedient, von psychischen Störungen ist nichts bekannt - der Mann hat sich bewusst für seine Männlichkeit entschieden. Der schwangere Transsexuelle zeigt, dass es nicht nur Schwarz und Weiß gibt, sondern auch etliche Grauschattierungen. Pastorale Argumente wie die Evolutionstheorie werden von dem freien Willen verdrängt, auch anders sein zu dürfen. Beatie führt ein Leben mit Brüchen und Veränderungen. Ein echtes Leben eben. Ein Dasein als Mann mit einer Gebärmutter. Wer das nicht akzeptieren kann, sollte bei der katholischen Seelsorge oder der evangelischen Kirche als ehrenamtlicher Helfer anheuern.

GANZ KLAR, MUTTER!

Das lustige Leitmotiv dieser strukturell bescheuerten Geschichte hat das US-amerikanische Schwulen- und Lesbenmagazin Advocate gesetzt, als es mit der Frage titelte: "Ist die Gesellschaft bereit für einen schwangeren Mann?" Mann? Schwanger?

Es ist schon erstaunlich, wofür "die Gesellschaft" immer mal wieder "bereit" sein muss, als hätte sie keine anderen Probleme, aber bitte: Die Preise für das entsprechende Beweisfoto - Mann mit Bärtchen hält sich versonnen das Babybäuchlein - sind inzwischen so horrend, dass diese kleine Zeitung dankend auf den Abdruck verzichtet hat. Was nur zeigt, wie stark gerade bei nicht eben als tolerant bekannten Gülle- und Gossenblättern die Nachfrage nach dem "schwangeren Mann" ist - bisher gabs dergleichen nur in Komödien, mit Arnold Schwarzenegger oder Mike Krüger als werdenden Vätern. Bild beispielsweise nahm nun "die verrückteste Schwangerschaft der Welt" gerne zum Anlass, die "wichtigsten Fragen" zu beantworten und den Chef einer Samenbank erläutern zu lassen: "Man muss sich nur die Spritze mit dem Sperma tief in die Scheide setzen. Man braucht etwa 1 Milliliter. Der Samen sollte eine Temperatur von 22 Grad haben." Lecker.

Tatsächlich steht und fällt der Nachrichtenwert dieser Geschichte mit der Bereitschaft, diesen Menschen, der sich Thomas Beatie nennt, überhaupt als Mann anzuerkennen. Es mag ja sein, dass er sich das wünscht, viel Geld für Operationen ausgegeben und noch mehr Schmerzen erduldet hat. Ebenso gut hätte er sich aber auch statt der Brüste die Beine amputieren, sich Flossen annähen und ein Atemloch in den Rücken stanzen lassen können - um zu behaupten, er wäre fürderhin ein Delfin.

Der Kaiser trägt in diesem Fall nicht neue Kleider, sondern ein neues Geschlecht. Das mag ihm glauben, wer will, und derzeit glauben viele Menschen solchen Quatsch sehr gerne - was vor allem an den bizarren Auswüchsen der Genderstudies liegt, deren Ziel es ist, der Gesellschaft einzutrichtern, das Geschlecht sei nichts weiter als ein soziales Konstrukt, das prinzipiell zur Disposition steht und damit unseren Vorlieben sowie der Geschicklichkeit teurer Chirurgen unterworfen ist. Gebärmutter bleibt Gebärmutter, in wessen Bauch auch immer sie steckt.

Thomas Beatie ist kein Mann, sondern eine schrecklich verstümmelte Frau - und gottlob nicht verstümmelt genug, um keine Kinder gebären zu können. Wünschen wir also allen Beteiligten das Beste.

 

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