Bürgerjournalismusportal myheimat.de

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Das Bürgerjournalismusportal myheimat.de bedient die Vorliebe seiner Nutzer für gute Nachrichten und zeigt, "was deine Heimat lebenswert macht". Kritisches? "Das liest niemand".

Zeige, was deine Heimat lebenswert macht" - 10.000 Bürgerreporter kommen diesem Aufruf nach. Bild: screenshot myheimat.de

Ein Bauer treibt auf seinem alten Fahrrad eine kleine Kuhherde durchs Dorf - dieses Bild hat den jüngsten Fotowettbewerb des Bürgerjournalismusportals myheimat.de gewonnen. Die Aussage dahinter ist programmatisch für den Ansatz der Augsburger gogol medien GmbH, die myheimat.de betreibt: Auf dem Dorf ist die Welt noch in Ordnung. "Zeige, was deine Heimat lebenswert macht", werden die Nutzer auf der Internetseite ermuntert. Bereits mehr als 10.000 "Bürgerreporter" kommen dem Aufruf nach und stellen ihre Artikel und Bilder auf der wie ein Weblog gestalteten Seite ein.

Das Besondere an dem Projekt sind allerdings die monatlich erscheinenden gedruckten Magazine, in denen ausgewählte Beiträge veröffentlicht werden. Die Auswahl wird dabei durch die Community selbst und eine speziell entwickelte Software getroffen. Die am meisten gelesenen, kommentierten und weiterempfohlenen Artikel schaffen es in die Zeitschriften, mit denen außerdem auch das Geld verdient wird. Die kostenlosen Hochglanzhefte, die bislang nur rund um Augsburg erscheinen, haben einen Anzeigenanteil von etwa 50 Prozent. In den Printpublikationen sieht myheimat-Gründer Martin Huber den Schlüssel für den Erfolg seines kommerziell nutzbaren Bürgerjournalismus-Geschäftsmodells, weshalb er myheimat gerne auch als "Print 2.0" bezeichnet. "Die Nutzer schreiben anders, wenn sie wissen, dass sie gedruckt werden könnten", erklärt Huber. Über das Printprodukt werde darüber hinaus Älteren die Schwellenangst genommen, sich online an myheimat zu beteiligen. Huber ist stolz auf die für ein Online-Angebot ungewöhnliche, gleichmäßige Verteilung aller Altersgruppen in der Nutzerstruktur. Und betont, dass die lokalen Anzeigenkunden ihre lokale Zielgruppe per myheimat ohne Streuverluste erreichen können.

Seit Anfang April ist nun der Madsack-Verlag mit einem "signifikanten Anteil" an gogol medien beteiligt. Genauer will sich Andreas Arntzen, Madsack-Geschäftsführer und verantwortlich für den Bereich Elektronische Medien, auch auf Nachfrage nicht festlegen. Myheimat-Beiträge werden seit kurzem auf den Vereinsseiten der sechs Heimatzeitungen abgedruckt, die als Beilagen in den Madsack-Veröffentlichungen Hannoversche Allgemeine Zeitung und Neue Presse erscheinen. Im Raum Marburg, wo die Madsack-Zeitung Oberhessische Presse erscheint, ist myheimat an diesem Wochenende an den Start gegangen, weitere Ableger und Hochglanzhefte nach Augsburger Vorbild sind laut Arntzen geplant. Er glaube fest an den Fortbestand der Printsparte, aber das Internet habe sie verändert und werde das auch weiterhin tun. Der Madsack-Verlag gehe einen offensiven Weg, um damit umzugehen. Daher sieht Arntzen in myheimat eine Ergänzung zum Bestehenden und keine Konkurrenz. Man wolle ganz neue Produkte auf den Markt bringen und keinen Kannibalismus betreiben.

Bei den hannoverschen Heimatzeitungen sieht man das Bürgerjournalismus-Projekt allerdings eher mit gemischten Gefühlen. Man habe das Gefühl, sich den eigenen Ast abzusägen, heißt es aus Redaktionskreisen. Themen und Ereignisse würden teilweise viel schneller bei myheimat.de abgehandelt, als es für die Heimatzeitungen möglich ist. Auf der anderen Seite erkenne man in der starken Resonanz auf myheimat eben auch einen entsprechenden Bedarf.

Im Vorteil sind professionelle Journalisten hingegen, wenn es um kritische Berichterstattung geht. "Die Bürger haben eine Vorliebe für positive Nachrichten", sagt Arntzen und liegt mit dem gogol-Geschäftsführer Martin Huber auf einer Linie. Auf die Frage, warum myheimat kritische Berichterstattung nicht fördert, antwortet Huber: "Das liest niemand." Zu einem späteren Zeitpunkt, wenn das Projekt gereift sei, könne er sich jedoch vorstellen, dass durch die Moderatoren "Themenimpulse" in die Community gegeben würden, die dann auch kritische Inhalte nach sich zögen. Bis dahin wird wohl noch so manche Kuh durchs Dorf getrieben werden.

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