Reiseverbot für kubanische Bloggerin

Chronistin einer anderen Generation

Yoani Sánchez wollte den spanischen Medienpreis Ortega y Gasset persönlich in Madrid entgegennehmen. Doch letztlich bekam sie kein grünes Licht von der Regierung in Havanna.

Keine Ausreisegenehmigung, kein Flug - Alles wie gehabt also in Kuba. Bild: dpa

Bis zum Dienstagnachmittag hatte Yoani Sánchez gehofft, dass die Erlaubnis zur Ausreise noch kommen würde. Doch dann musste Kubas preisgekrönte Bloggerin die kubanische Einreisebehörde ohne das wichtige Dokument verlassen und ihren Flug nach Madrid in letzter Minute stornieren.

Keine echte Überraschung für die 32-jährige, deren Blog Generación Y von Kubaner und Nichtkubanern als authentische Chronik aus dem echten Kuba gefeiert wird. Yoani Sánchez kennt sich schließlich aus mit der "kryptischen Bürokratie" auf der Insel. Die Verweigerung der Ausreise sei ein weiteres Beispiel dafür, dass man uns wie kleine Kinder behandelt, die die Erlaubnis der Eltern benötigen, um vor die Tür zu treten, erklärte sie gegenüber einer Nachrichtenagentur. Alles wie gehabt also in Kuba.

Der Test als den die Sprachwissenschaftlerin die Entscheidung über ihre Ausreise zur Preisverleihung bezeichnet hatte, hat die kubanische Regierung demzufolge verloren. Mit einem Sí hätte die Regierung Raúl Castro, so Yoani Sánchez, beweisen können, dass den Worten der Öffnung auch Taten folgen. Die Taten sind jedoch ausgeblieben und so widmet sich Yoani Sánchez wieder dem Alltag des Beobachtens. Von ihren Eindrücken aus dem kubanischen Alltag berichtet sie auf Generación Y und für viele Kubaner ist die Webpage eine Flachenpost aus dem realen, dem inoffiziellen Kuba.

Für Yoani Sánchez ist ihr Blog hingegen eine Art "Eigentherapie, eine Katharsis der Dinge, die ich denke und die ich nicht schreiben darf". Zumindest nicht in der kubanischen Presse und nicht nur weil sie keine ausgebildete Journalistin ist, sondern weil die Mutter eines elfjährigen Sohnes sich nicht scheut die Dinge beim Namen zu nennen. Dieser Mut hat die Jury im Hause El País, der Tageszeitung, die den Medienpreis seit 25 Jahren vergibt, genauso beeindruckt wie die charmante Selbstverständlichkeit mit der sie sich der Kontrolle und Zensur in Kuba entzieht.

Mit der steigenden Bekanntheit, die der Preis für digitalen Journalismus mit sich bringt, wird das schwerer. Den Zugriff von Kuba auf ihre Seite haben die Spezialisten des Informationsministeriums bereits dichtgemacht, damit niemand lesen kann was sie in zum Beispiel in ihrem vorletzten Blog zur Preisverleihung schreibt: "Wie ein Baby in Windeln sehe ich mich in diesen Tagen, während ich auf die Erlaubnis warte nach Madrid zu reisen, um dort den Preis Ortega y Gasset entgegenzunehmen. Die Erlaubnis ist von einer mysteriösen Behörde für Auswanderung und Ausländertum verzögert worden, die mir keine Erklärungen gibt. Für diese mächtige Institution bin ich weiterhin ein Säugling, dem man nicht sagt, wann es die nächste Flasche gibt". Ein typisches Bild aus der Feder der Chronistin des anderen Kuba.

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