Präsidentschaftswahl im griechischen Zypern

Kommunismus out, Nationalismus nicht

Bei der Stichwahl im griechischen Teil Zyperns hat die Linke am Sonntag erstmals in ihrer Geschichte gute Chancen.

Nachwuchssorgen kennt "Akel" nicht. Bild: dpa

NIKOSIA taz Das tägliche Zentralorgan trägt den Titel Morgenröte. Die Fortschrittspartei des arbeitenden Volkes (Akel) hat keinen Vorstand oder Präsidium, sondern Zentralkomitee und Politbüro bestimmen die Geschicke. Der Vorsitzende nennt sich Generalsekretär. Und eben dieser Mann, Demetris Christofias (61), ein zu sowjetischen Zeiten in Moskau ausgebildeter Historiker, schickt sich an diesem Sonntag an, bei der Stichwahl zum Präsidenten der griechischen Republik Zypern gewählt zu werden.

Erstmals könnte ein Kommunist Zypern regieren - droht damit die Revolution? Werden Urlauber künftig in verstaatlichten Hotels nächtigen? Werden es gar die letzten freien Wahlen sein, wie Christofias Gegner per SMS-Nachrichten auf der Insel verbreiten?

Unsinn, meint George Vassiliou, ehemaliger Präsident Zyperns, Manager und einer der wohlhabendsten Bürger. Der 76-Jährige unterstützt die Kandidatur des Akel-Chefs: "Christofias hat niemals angekündigt, irgendetwas zu verstaatlichen. Man kann ihn am besten mit einem skandinavischen Sozialdemokraten vergleichen: Er kümmert sich um die Arbeitnehmer, besonders um diejenigen, die in ihrem Leben nicht so viel Glück gehabt haben."

Tatsächlich spielt Lenin bei der Akel noch als schwer gewichtiger Inhalt von Bücherregalen eine Rolle. In der praktischen Politik hat sie längst ihren Frieden mit der Marktwirtschaft geschlossen. Was die Akel von anderen Parteien unterscheidet, ist ihre Nähe zu den türkischen Zyprioten im Norden. Trotz des bis heute andauernden kalten Kriegs in der geteilten Hauptstadt Nikosia hat Christofias die Fäden zu ihnen nie abreißen lassen. Das lässt die Hoffnungen nach fünf Jahren des Stillstands unter dem bereits abgewählten Präsidenten Tassos Papadopoulos steigen. Er wolle auf der geteilten Insel "neue Brücken bauen", betont Christofias.

Wenn da nicht als Königsmacher die Demokratische Partei (Diko) von Papadopoulos wäre. Sie hat ihren Anhängern am Mittwoch die Wahl von Christofias empfohlen, ebenso wie die sozialdemokratische Edek. Numerisch müsste seine Wahl damit glatt durchgehen. Doch mit der Diko in der Regierung droht auch eine erneute Teilnahme griechischer Nationalisten an Verhandlungen über den Zypernkonflikt.

Christofias umwarb in den letzten Tagen die Diko-Wähler und betonte, zwischen ihm und Papadopoulos habe es nie wirklich schwerwiegende Auseinandersetzungen gegeben - schließlich habe man vier Jahre lang bis zum letzten Sommer erfolgreich zusammengearbeitet. Drei Ministerposten sollen der Diko zufallen. So steigen die Zweifel an einem neuen Kurs der griechischen Zyprioten schon, bevor der neue Präsident überhaupt gewählt ist.

Ausgemacht ist der Sieg von Christofias nicht. Viele Dissidenten von der Diko wollen Ioannis Kassoulides von der konservativen Demokratischen Sammlung (Disy) wählen. Im ersten Wahlgang erkämpfte sich Kassoulides einen hauchdünnen Vorsprung vor Christofias.

Kassoulides kennt zwar im Gegensatz zu Christofias den Chef der Zyperntürken Mehmet Ali Talat nur aus dem Fernseher. Doch auch er steht für einen Neubeginn und direkte Verhandlungen mit dem Ziel, die Teilung zu überwinden.

Mehmet Ali Talat selbst ist erst einmal froh, dass Papadopoulos abgewählt ist. Er werde ebenso gern Christofias wie Kassoulides empfangen, sagt der Sozialdemokrat auf der anderen Seite des Stacheldrahts in Nord-Nikosia diplomatisch.

KLAUS HILLENBRAND

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