Traditionsunternehmen unter Druck

Brockhaus frei im Netz

Das Internet bringt das klassische A-Z-Lexikon Brockhaus unter Druck. Um sich gegenüber Wikipedia zu behaupten und will der Verlag seine gesamte Enzyklopädie online stellen. Willkommen im 21. Jahrhundert.

Hat seine besten Zeiten hinter sich: Das klassische Brockhaus-Lexikon Bild: rtr

MANNHEIM taz Nachdem der Brockhaus-Verlag nach eigenen Angaben einen Verlust in der Größenordnung von "mehreren Millionen" hinnehmen muss, setzt das Unternehmen nun auf eine Online-Offensive. Neben dem Abbau von rund 50 Stellen ist nun ein Lexikonportal geplant, mit dem man sich als "Wissensnavigator" verstanden wissen und eine junge Zielgruppe ansprechen will. Das Portal soll durch Werbung finanziert werden. Der Verkauf klassischer Nachschlagewerke ist dramatisch eingebrochen, da diese mit ständig aktualisierten Online-Lexika wie Wikipedia konkurrieren müssen, die mittlerweile häufiger genutzt werden, als die dicken Wälzer.

"Die 21. Auflage der 'Brockhaus Enzyklopädie' war voraussichtlich die letzte - ab jetzt findet alles online statt", vermeldete dann auch ein Sprecher des Hauses, das bundesweit rund 450 Mitarbeiter beschäftigt. Die Marktanalysen zeigten eindeutig, dass die Kunden künftig Sachinformationen in erster Linie online nachschlagen werden. "Der aktuelle Schritt zum werbefinanzierten Modell ermöglicht es allen Menschen, am relevanten, nicht-manipulierbaren 'Brockhaus-Wissen' teilzuhaben", teilt der Verlag weiter mit. Damit will sich der Verlag offenbar gegenüber Wikipedia abgrenzen - die freie Online-Enzyklopädie wird häufig mit Vorwürfen konfrontiert, sie sei leicht manipulierbar, da dort im Prinzip jeder an den Einträgen Änderungen vornehmen kann. Allerdings wird sich ab dem 15. April zeigen, ob das kostenlose Lexikon-Portal www.brockhaus.de mit 300.000 Stichworten tatsächlich nicht manipulierbar, aber gleichzeitig voll werbefinanziert sein kann.

"Relevant und geprüft" sollen die Informationen künftig online sein, tagesaktuelle Themen mehr Berücksichtigung finden als bisher. Zwar gibt es bereits eine Brockhaus-Suche im Netz - schließlich ist die Brockhaus-Redaktion in Leipzig schon seit vergangenem Jahr für "online" zuständig - allerdings muss man dort bisher registriert und Abonnement-Kunde sein. "Brockhaus.de" wird nun als Redaktion geführt, die Chefredakteurin wird Sigrun Albert sein - zuvor Redaktionsleiterin von "Brigitte.de" und "Youngmiss.de". Die zum Start von "Brockhaus online" veröffentlichten Lexikonbeiträgesollen sollen nach und nach ausgebaut und um weitere Themen und Inhalte ergänzt werden. Für diesen Herbst plant der Verlag zudem ein werbefreies und kostenloses Online-Angebot für Schulen.

Brockhaus will seine Angebote auch künftig für alle Trägermedien anbieten und auch weiter die klassischen Buchkunden bedienen - die Zukunft liege aber eindeutig im Internet - es ist angesichts der Millionen-Verluste vielleicht die letzte Rettung für das Traditionsunternehmen.

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