BVG-STREIK

Blitzstreik lässt Arbeitgeber bibbern

Nach dem Warnstreik bei der BVG hofft die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di nun auf ein neues Tarifangebot der Arbeitgeberseite. Bleibt er aus, droht die Gewerkschaft mit einem unbefristeten Streik.

Mit den Plastikkitteln ist es bei der BVG-Belegschaft vorerst vorbei. Bis Donnerstag sind keine weiteren Blitzstreiks geplant. Bild: DPA

Nutzer des öffentlichen Nahverkehrssystem können aufatmen - zumindest voerst: Aus Gewerkschafts- und Belegschaftskreisen der BVG war am Sonntag zu vernehmen, dass es bis Mitte der Woche keinen weiteren Streik geben wird. Für die Tage danach wolle er aber "nichts ausschließen", bekräftigte Frank Bäsler vom BVG-Personalrat. Er hoffe jedoch, dass sich die Tarifparteien zunächst wieder an den Verhandlungstisch setzen werden und die Arbeitgeberseite ihnen ein neues Angebot vorlegen werde. Ein Streik vor Donnerstag sei "unwahrscheinlich".

Nach dem 39-stündigen Blitzstreik der BVG wurde der öffentliche Nahverkehr am Samstag pünktlich um 15 Uhr wieder aufgenommen. Es dauerte keine 45 Minuten, bis Busse, Trams und U-Bahnen wieder regulär fuhren. "Wir wissen, dass die Belegschaft das kann", hieß es aus dem BVG-Vorstand. Insofern sei die Führung auch nicht überrascht gewesen, dass sich am frühen Freitag Morgen binnen weniger Stunden fast die komplette Belegschaft am Blitzstreik beteiligte. Die Gewerkschaft ver.di hatte erst am Donnerstag um 17 Uhr den Streik angekündigt. Schon ab Mitternachtstanden alle Räder still.

Ver.di kämpft seit mehr als einem halben Jahr um einen neuen Tarifabschluss. Die Dienstleistungsgewerkschaft fordert für die rund 12.200 Beschäftigten zwölf Prozent mehr Lohn, mindestens aber 250 Euro pro Monat. Die BVG hingegen bietet nur sechs Prozent an - und dies auch nur für die Mitarbeiter, die seit 2005 neu eingestellt wurden. Das betrifft nach Angaben des Personalrats gerade einmal jeden zehnten Beschäftigten. Alle anderen sollen leer ausgehen. "Dieses Angebot hat bei der Belegschaft eingeschlagen wie eine Bombe", sagte ver.di-Sprecher Andreas Splanemann. Viele in der Belegschaft seien so wütend gewesen, dass sie sofort in den unbefristeten Streik treten wollten, berichtet Bäsler. Der "zugegeben außergewöhnlich lange Warnstreik" sei ein Kompromiss gewesen.

BVG-Vorstand und KAV hatten den Blitzstreik vom Freitag scharf kritisiert. Der "plötzliche und unverhältnismäßig lange Ausstand" sei völlig überzogen gewesen. Vergangene Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehrssystem hätten bei maximal fünf Stunden gelegen, heißt es aus dem BVG-Vorstand. Dieses Mal sei der Streik sechs Mal so lang.

Wie es im Tarifkonflikt weiter geht, wollten die Beteiligten nicht abschließend beantworten. BVG-Vorstand und KAV treffen sich am Montag, um den Blitzstreik auszuwerten. Am Dienstag tritt auf Gewerkschaftsseite die Tarifkommission zusammen, um zu erörtern, ob es weitere Warnstreiks geben wird oder nicht gleich zur Urabstimmung für einen unbefristeten Streik aufgerufen werden soll. "Eine Steigerung des Arbeitskampfes ist durchaus noch drin", sagte Splanemann.

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