Das Blog Gizmodo hat ein Prototypen-iPhone der neuen Generation gekauft. Apple schaltete die Polizei ein, die die Wohnung des Journalisten durchsuchte. Gizmodo pocht auf die Pressefreiheit.von Ben Schwan

Wenn Apple die Kontrolle verliert, hört der Spaß auf. Bild: dpa
Der Computerkonzern Apple ist für seine Verschwiegenheit bekannt: Informationen zu neuen Produkten sollen möglichst nicht an die Öffentlichkeit dringen, schließlich sorgt die Geheimniskrämerei immer wieder für kostenlosen Pressewirbel.
Umso erstaunlicher ist ein Vorfall, der die IT-Szene in den letzten zwei Wochen in Atem hält: Ein Prototyp der nächsten iPhone-Generation verschwand in einer Kneipe im Silicon Valley, nur um unter umstrittenen Umständen bei einem viel gelesenen Technik-Weblog aufzutauchen. Ein Ingenieur, der von Apple mit Feldtests beauftragt war, hatte das Gerät ausgerechnet an seinem Geburtstag bei einem feuchtfröhlichen Bierabend liegen gelassen.
Der Finder, offenbar ein junger Mann im College-Alter, machte anfangs Anstalten, den Besitzer des Geräts zu ermitteln - doch die Apple-Hotline wollte ihm nicht glauben. Daraufhin kontaktierte er mehrere bekannte Internet-Publikationen und ließ in seinen Mails durchblicken, dass er für das Gerät gerne ein paar Dollar sehen wollte.
Gizmodo, das zu der journalistisch sowieso nicht zimperlichen Weblog-Familie Gawker gehört, löhnte schließlich 5000 Dollar und brachte die (verhältnismäßig unspektakulären) Infos zu dem Gerät groß raus - dass es nun auch eine Kamera vorne und einen Blitz hat, beispielsweise. Der Beitrag verschaffte Gizmodo neue Klickrekorde.
Doch die Sache endet hier nicht: Einen Tag später veröffentlichte das Blog auch noch Namen und Bild des unglücklichen 27jährigen Apple-Ingenieurs - unter der Begründung, man habe ihn vor einer eventuellen Entlassung durch Steve Jobs & Co. schützen wollen.
Etwas später dann wurde die Apfelfirma noch stärker herausgefordert: Dem Hausjuristen, der sich inzwischen telefonisch bei Gizmodo gemeldet hatte, wurde empfohlen, seine Ansprüche auf den Prototypen in einen Brief zu packen, den Gizmodo schließlich als Beweis der Echtheit wieder veröffentlichte. Etwas später wurde das geheimnisvolle iPhone wieder an Apple zurückgeschickt.
Nun schlägt aber Apple zurück: Nach Veröffentlichung des Gizmodo-Berichts wurde die Polizei eingeschaltet. Die wiederum durchsuchte am Freitag die Wohnung eines Gizmodo-Redakteurs. Potenzieller Vorwurf: Ankauf gestohlener Ware. Aktueller Zwischenstand: Gizmodos Anwälte erwägen, Klage gegen die Durchsuchung einzureichen, schließlich gehe es hier um sensibles Material eines Journalisten, das nach kalifornischem Recht geschützt sei.
Der zuständige Staatsanwalt entschied unterdessen, die bei dem Gizmodo-Redakteur eingesammelten Rechner und diversen Festplatten erst einmal nicht auszuwerten, bevor die Rechtmäßigkeit des Eingriffs in die Pressefreiheit nicht geklärt ist.
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Leserkommentare
30.04.2010 11:21 | glamorama
Liebe taz, ...
29.04.2010 17:40 | gastonlagaffe
ich bezweifel, dass es wirklich ein versehen war, diesen prototyp in einer bar/biergarten zu verlieren - war doch gelungene ...