Stammzellen aus Affen-Erbgut

Forscher klonen erstmals Embryo

Wissenschaftlern ist es gelungen, aus geklonten Affenzellen embryonale Stammzellen herzustellen. Das Verfahren soll zur Gewinnung menschlicher embryonaler Zelllinien verhelfen.

Pipette mit Eizelle, der der Zellkern entfernt wird Bild: dpa

BERLIN taz | Für die Stammzellforscher ist es ein wichtiger Durchbruch: Ein US-Foscherteam schaffte es erstmals geschafft, ein Affen-Embryo zu klonen und daraus Stammzellen zu gewinnen. Laut einem Vorabbericht des Wissenschaftsmagazins Nature gelang es den Forscher um den russischen Wissenschaftler Shoukhrat Mitalipov an der Health and Science University in Portland im US-Bundesstaat Oregon, aus dem geklonten Erbgut eines Rhesus-Affen zwei embryonale Stammzelllinien herzustellen.

Die Forscher in Portland wandten die gleiche Methode an, mit der vor elf Jahren das Klon-Schaf Dolly hergestellt wurde. Sie übertrugen das Genom aus der Körperzelle eines zehnjährigen Rhesus-Affen in zuvor entkernte Eizellen. Während bei Dolly diese Zellen zur Reproduktion eines Tieres genutzt wurden, stellten die US-Forscher daraus Stammzelllinien her.

Stammzellforscher weltweit hoffen jetzt, dass das Verfahren auch zur Gewinnung von menschlichen embryonalen Zelllinien eingesetzt werden kann. Sie wollen diese angeblichen Alleskönner zur Behandlung von bisher unheilbaren Krankheiten wie etwa Alzheimer oder Parkinson einsetzen. Die Idee ist, dass Stammzellen, die das gleiche Erbgut wie der Patient enthält, von diesem nicht abgestoßen werden. In mehreren Staaten, unter anderem in Deutschland, ist das Klonen von menschlichen Zellen und die Herstellung von embryonalen Stammzellen jedoch gesetzlich verboten.

Bisher schon wurde das Dolly-Verfahren bei zahlreichen Tierarten verwendet. Rinder, Mäuse, Ratten, Kaninchen Katzen, Hunde und Pferde wurden damit geklont. Nur mit Menschen- und Affen-Zellen funktionierte diese Methode nicht. Die 2004 weltweit gefeierten Klonversuche mit Menschenzellen des südkoreanischen Wissenschaftler Hwang Woo Suk stellten sich nachträglich als Betrug heraus.

Der US-Stammzellforscher Gerald Schatten von der Universität in Pittsburg, der einst eng mit Hwang Woo Suk zusammenarbeitete, hatte auch lange versucht Affenzellen zu klonen - ohne Erfolg. Nach seinen Experimenten mit 716 Eizellen zweifelte er daran, dass es jemals möglich sein werde.

Doch auch die Forscher an der Portland-Universität waren lange erfolglos. Seit fast zehn Jahren schon forschen sie daran. Über 15.000 Eizellen von Affen hätten sie in dieser Zeit verbraucht. Auch die Ausbeute bei den aktuellen Versuchen war nicht sehr groß. Um die zwei Stammzelllinien zu bekommen, verbrauchten sie 304 Eizellen. Das Mitalipov-Team versuchte auch die geklonten Affenzellen zur Reproduktion eines Tieres einzusetzen. 77 geklonte Embryonen übertrugen sie auf Muttertiere. Doch alle starben nach wenigen Tagen ab.

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