Wohlstand ungleich verteilt

Deutschland liegt im Mittelfeld

In Schweden öffnet sich die Schere zwischen Armen und Reichen noch weiter als hierzulande.

Schwedische Idylle? Von wegen! Wohlstand ist in Schweden noch ungleicher verteilt als hierzulande. Bild: dpa

BERLIN taz Deutschland folgt einem weltweiten Trend: In allen OECD-Staaten ist das Vermögen auf einige wenige verteilt, während eine große Gruppe gar nichts auf dem Konto hat.

Die Luxemburg Wealth Study verglich im Juli die Vermögensverteilung in Kanada, Finnland, Italien, Schweden, Großbritannien, Deutschland und den USA. Das Ergebnis: Die Bundesrepublik ist in Sachen finanzielle Gerechtigkeit bei weitem nicht Schlusslicht. Immerhin sind hierzulande nur neun Prozent der Bevölkerung verschuldet, unterboten nur von Italien mit drei Prozent. In Kanada sind es 20 Prozent, in Schweden gar 27 Prozent. Überhaupt schneidet das Land, das in den letzten Jahren als Vorbild für nahezu alles herhalten musste, erstaunlich schlecht ab. Nach den Berechnungen des Luxemburger Instituts ist das Vermögen nirgends so unfair verteilt. Selbst die USA werden besser bewertet, obwohl dort ein Prozent der Bevölkerung 33 Prozent des Vermögens unter sich aufteilt. Zum Vergleich: In Deutschland sind es nur 14 Prozent. Am wenigsten haben die Reichen in Großbritannien, wo ein Prozent der Bevölkerung über zehn Prozent des Vermögens verfügt.

Deutschland liegt also im Mittelfeld - sowohl was die Einkommens- als auch die Vermögensverteilung angeht. Nach Angaben der OECD öffnet sich die Einkommensschere in Deutschland jedoch schneller als im Rest Europas. In Frankreich, Finnland, Großbritannien und den Niederlanden gibt zwar ebenfalls ein starkes Gefälle bei den Löhnen. Die Ungleichheit bleibt aber relativ konstant. In Spanien und Irland sind die Gehälter für Geringverdiener zwischen 1995 und 2005 sogar stärker angestiegen als die der Spitzenkräfte, während in Deutschland die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Noch stärker wächst die Kluft nur in Ungarn, Polen, Südkorea und Neuseeland.

Matthias Rumpf von der OECD sieht die Schuld dafür vor allem in der Tarifpolitik der letzten Jahre. Führungskräfte würden immer mehr verdienen, weil ihre Gehälter frei verhandelbar seien, während die Löhne der Durchschnittsqualifizierten an die Tarifverträge gebunden seien. "Es ist aber nicht gesagt, dass sich der Trend in dieser Schärfe fortsetzt", so Rumpf. S. STRICKER

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