Stürmerin Vieira da Silva

Moneten für Marta

Sie war die beste Stürmerin der Fußball-WM. Nun hat ihr Verein Umeå IK ein Problem: Wie soll man die mit Angeboten überhäufte Brasilianerin am Polarkreis halten?

Brasilianische Stürmerin Marta beim WM-Finale gegen Deutschland Bild: dpa

"Ich muss derzeit meine Handybatterie zweimal am Tag laden", stöhnt Roland Arnqvist, Vorsitzender des Fußballvereins Umeå IK: "Und da sind nur die Interessenten am Telefon, die nicht hinter unserem Rücken tricksen, sondern ehrlich genug sind, direkt bei uns anzufragen, welche Vertragsbedingungen Marta hat." Der große brasilianische Star, der beim kleinen schwedischen Verein nur wenige Kilometer südlich des nördlichen Polarkreises kickt, ist spätestens seit der Weltmeisterschaft in China die begehrteste Stürmerin auf dem Markt. Und die Chancen, dass Umeå sie halten kann, dürften nicht so groß sein.

Vor allem einige Klubs in den USA scheinen bereit zu sein, für Marta Summen auf den Tisch zu legen, die bislang im Frauenfußball nicht einmal annähernd üblich waren. Auf zwischen 1,5 und 2 Millionen Dollar soll sich ein mehrjähriges Vertragsangebot von Los Angeles Galaxy belaufen, wissen mehrere Medien zu berichten. Der Verein will dabei sein, wenn 2009 in den USA eine neue Frauenliga starten soll. Und Marta ist offenbar als Zugpferd vorgesehen. Die Brasilianerin hat bei der Rückkehr aus China ein Angebot des Beckham-Klubs selbst bestätigt. Sie wollte keine Summe nennen, strahlte aber: "Interessant ist das natürlich schon."

1.500 Euro im Monat - so viel hatte Umeå der 17-Jährigen bezahlt, als die vor drei Jahren aus dem brasilianischen Dois Riachos nach Schweden kam. Damals eine für den dortigen Frauenfußball durchaus stolze Summe. Und die Lokalpresse fragte kritisch, ob der Verein sich damit nicht finanziell übernehme. Die Investition lohnte sich schnell. Nicht nur was den sportlichen Erfolg angeht - am kommenden Sonntag könnte Umeå dank Marta auch die diesjährige Meisterschaft wieder vorzeitig für sich entscheiden -, sondern auch was die Zuschauerzahlen und das Sponsoreninteresse betrifft. Mittlerweile verdient die im letzten Jahr zur Weltfußballerin des Jahres gewählte Marta Vieira da Silva rund 6.000 Euro im Monat. Schwedisches Spitzenniveau, das neben ihr nur wenige andere Spielerinnen erreichen. Aber natürlich ein lächerlicher Betrag gegenüber den Verlockungen aus den USA.

Für den Frauenfußball in Schweden hat das 160 cm große Energiebündel Marta viel bedeutet. Sie bezauberte von ihrem ersten Ballkontakt an das Publikum, stieg schnell zu einem Star auf und wurde für viele Mädchen Vorbild und zur Leitfigur, der sie folgen wollten. Seine Spielerin, die "eine Technik wie keine andere hat, in der Geschwindigkeit den meisten überlegen und glänzend im Abschluss ist", möchte natürlich auch ihr Klubtrainer Andrée Jeglertz nur höchst ungern verlieren.

Unter dem Motto "Rettet Marta für Umeå!" hat ihr jetziger Verein eine Geldsammelaktion gestartet. Mit der man vor allem neue, zahlungskräftige Sponsoren zu gewinnen hofft. Eine große Firma hätte schon Interesse gezeigt, sagt der Vorsitzende des Vereins. Der hofft, dass auch die Kommune ihre Schatulle öffnet, denn "wer beispielsweise in Deutschland hätte ohne Marta und unseren Klub schon je etwas von Umeå gehört?" Eine bessere PR könnten die Stadtväter sich eigentlich nicht wünschen. "Aber natürlich können wir nicht mit einer Million Dollar mithalten. Das ist eine ganz andere Liga."

Eine Lohnerhöhung werde man ihr anbieten. Ansonsten könne man nur mit Bedingungen punkten, die nicht mit Geld aufzuwiegen seien. Fußballmäßig würde Marta gerne bleiben, weiß Arnqvist: "Ihr gefällt es hier, sie hat viele Freunde, hat die Sprache gelernt und spielt ja in einer der weltweit besten Mannschaften." Im letzten Jahr habe sie ihren Vertrag mit Umeå trotz eines wesentlich attraktiveren Angebots eines anderen Klubs verlängert. Im Juni 2008 läuft er aus. Und auch in Umeå stirbt die Hoffnung zuletzt.

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