Raum für anders Geborene

HAUSBESETZUNG Elterninitiative besetzt ein leeres Gebäude in Bahrenfeld, um dort eine Wohnanlage für Familien mit behinderten Kindern einzurichten

Eltern behinderter Kinder haben am vergangenen Wochenende ein leer stehendes Haus auf einem Gelände am Holstenkamp besetzt. Der Verein Nicos Farm will mit dieser Aktion erreichen, dass die Stadt ihnen das Grundstück mitsamt acht Gebäuden zur Verfügung stellt.

Bis vor sieben Jahren war hier ein Seniorenheim ansässig. Jetzt gehören die Gebäude der kommunalen Anstalt für Fördern und Wohnen. Bereits vor zwei Jahren hat sich Nicos Farm mit einem Konzept zur Nutzung der Flächen beworben. Die Bewerbungen seien allerdings noch nicht geprüft worden, sagt Helma Krstanoski, Sprecherin der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt. Das Auswahlverfahren beginne demnach erst Ende Januar 2010.

Allerdings habe der Verein bereits im November ein ablehnendes Schreiben von der Behörde für Soziales erhalten. Darin heißt es, dass das Gelände am Holstenkamp für die „Projektidee Nicos Farm leider nicht zur Verfügung gestellt werden“ könne. Auf den Widerspruch des Vereins-Vorsitzenden Arnold Schnittger habe das Amt erklärt, nicht zuständig zu sein.

Die Idee des Vereins war, auf dem Grundstück eine Wohneinrichtung für Eltern mit behinderten Kindern einzurichten. Momentan werden zwei der Gebäude von einigen Punks genutzt, die dort seit dem vergangenen Jahr wohnen.

Um zu verhindern, dass die Gebäude ab 2010 anderweitig genutzt werden und niemand eine Alternative bietet, haben sich die Eltern spontan zu einer Hausbesetzung entschlossen. Finanzieren will der Verein die Umbauten durch Investoren. Mieteinnahmen sollen das Projekt langfristig sichern.

Sehr lange werden die Nicos Farm-Eltern das Gebäude nicht besetzt halten können. Das ist auch dem Vorsitzenden Schnittger bewusst. Viele Vereinsmitglieder seien berufstätig und alleinerziehend. Sie hätten nur wenig Zeit und können nicht mit ihren Kindern über Nacht in einem kalten und zugigen Haus ohne fließendes Wasser und Strom bleiben. „Irgendetwas mussten wir aber tun“, sagt Schnittger, der selbst einen 15-jährigen, schwerstbehinderten Sohn hat.

Die Konsequenzen seines rechtswidrigen Handelns fürchtet Arnold Schnittger nicht. „Dafür ist mir zu Zukunft meines Sohnes zu wichtig. Ich will ihn nicht, wenn ich irgendwann mal nicht mehr kann, in ein Pflegeheim geben müssen.“ Allerdings sei man nicht unbedingt auf diese Gebäude festgelegt. Der Verein freue sich über jede Alternative. LISA FRANKENBERGER