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Kommentar Öko-Enzyklika des PapstesEr sei gelobt

Bernhard Pötter

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Bernhard Pötter

Franziskus als moralische Größe spricht das Richtige aus. Nun werden auch im Vatikan Taten folgen müssen – und weitere Schritte zur Modernisierung.

D er Kirchenstaat kommt ohne große Emissionen aus, wenn man mal vom Weihrauch absieht; und der Vatikan kann keine Stahlwerke und Kohlegruben schließen. Aber Papst Franziskus hat Einfluss auf die globale öffentliche Meinung. Deshalb ist die aktuelle Enzyklika wichtig. Als moralische Instanz hat Franziskus Zugang zu Medien, Wirtschaft und Politikern. Und populär, wie er ist, erreicht er auch Nichtkatholiken.

In der Planung der UNO für die entscheidende Klimakonferenz im Dezember in Paris ist Franziskus deshalb eine echte Größe: Vor zwei Jahren war es mit dem UN-Klimarat die Wissenschaft, die vor einer Katastrophe warnte; dann kamen verschiedene Berichte, die den ökonomischen Rahmen für den Klimaschutz absteckten. Jetzt bringt Franziskus die moralische Dimension des Klimawandels ins Gespräch – alles mit der UNO abgestimmt, wo der Kirchenmann im Dezember zu diesem Thema in New York den Politikern die Leviten lesen soll.

So weit, so effektiv. Und für einen Papst, der qua Amt immer an die Tradition gebunden ist, geht Franziskus in der Enzyklika „Laudato si“ (Sei gelobt) sehr weit: Er übernimmt die Sprache der Umweltschützer, fordert das Ende von Öl und Kohle und korrigiert sogar die eigene Theologie, sich „die Erde untertan zu machen“. Ähnlich drastisch hat er formuliert, als er sich eine „verbeulte Kirche“ wünschte, die nahe an den Nöten und Hoffnungen der Menschen sein solle.

Aber mehr noch als ein Politiker wird sich Franziskus an diesen Ansprüchen messen lassen müssen. Eine ökologische Theologie würde die Politik des Vatikans und der Kirchen auf der ganzen Welt umkrempeln: Die Kirche müsste ihr eigenes Wirtschaften und ihre Finanzen nach grünen Kriterien umstellen, sie müsste ihre passive Rolle als UN-Mitglied aufgeben und aktiv für Umwelt und Fairness kämpfen.

Besonders in Afrika und Lateinamerika würde es viel verändern, wenn sich Bischöfe und Pfarrer laut und deutlich für den Schutz von Wäldern und Ozeanen und das Schicksal von Umweltschützern einsetzten. Und schließlich müsste der Vatikan seine Haltung zu Frauen und Familie ändern. Viel zu häufig scheitert ein würdiges Leben und Überleben an einer bornierten Einstellung der Kleriker zu Verhütung und Frauenrechten. Da geht es dann auch für einen grünen Papst ans Eingemachte. Aber genau so sähe eine „zerbeulte Kirche“ in der Ökovariante aus.

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Bernhard Pötter

Bernhard Pötter Redakteur für Wirtschaft und Umwelt

Jahrgang 1965. Seine Schwerpunkte sind die Themen Klima, Energie und Umweltpolitik. Wenn die Zeit es erlaubt, beschäftigt er sich noch mit Kirche, Kindern und Konsum. Für die taz arbeitet er seit 1993, zwischendurch und frei u.a. auch für DIE ZEIT, WOZ, GEO, New Scientist. Autor einiger Bücher, Zum Beispiel „Tatort Klimawandel“ (oekom Verlag) und „Stromwende“(Westend-Verlag, mit Peter Unfried und Hannes Koch).
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3 Kommentare

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  • Da kann man nur sagen : Wer zu spät kommt den bestraft das Leben.

  • der papst ist niemandem etwas schuldig - im gegenteil beispielsweise zu amerikanischen nobelpreisträgerpräsidenten, die nichts, aber wirklich auch nichts von dem eingelöst haben, was sie zu amtsantritt versprochen haben. franziskus hat bereits viel geleistet, ist dabei zu leisten und wird dann noch - von ihnen herr pötter - großmütig in die pflicht genommen, am besten alles auf einmal umzukrempeln. etwas mehr bescheidenheit und demut stünden uns allen besser zu gesicht und wir könnten gut mit solcherlei forderungen direkt vor der eigenen haustüre anfangen.

  • anstatt sich mal um die Probleme seiner Kirche zu widmen springt der Papst auf jeden Karren, das wird eine tolle Konferenz, der Papst als grüner rophet, the show must go on!