Strategiedebatten bei „Die Partei“

Kommunikationsguerilleros unter sich

In der Satirepartei wird ein Aufstand gegen den Vorsitzenden Sonneborn inszeniert. Über den Umgang mit Mandaten gibt es Widersprüche.

Leo Fischer und Martin Sonneborn

Leo Fischer und Martin Sonneborn: Was ist von der einstigen Freundschaft geblieben? Foto: dpa

BERLIN taz | „Die Partei, die Partei, die hat immer recht“, lautet der Refrain im Lied der Partei, das lange als offizielle Hymne der SED galt. Neue Verwendung findet der Song seit einigen Jahren bei der Partei „Die Partei“, dem politischen Arm des Satiremagazins Titanic. Doch wer genau innerhalb der Partei dieser Tage die Wahrheit verkünden darf, scheint so umstritten wie nie.

Seit vergangenem Wochenende verbreitet Vorstandsmitglied Leo Fischer massive Kritik am Vorsitzenden Martin Sonneborn. Dieser habe in seiner Funktion als EU-Abgeordneter seinen Kontakt zur Parteibasis verloren, so der Vorwurf. Fischer, ebenso wie Sonneborn einst Chefredakteur der Titanic, wirbt unter dem Namen „Chance 5000“ für einen Neuanfang – ohne den „geliebten Führer“.

In einer auf Youtube kursierenden Rede zur Gründung der Initiative wirft er Sonneborn vor, wegen Europa verrückt geworden zu sein. Das Motto des Wahlvereins, der Fischer am 3. Oktober zum Bundesvorsitzenden machen soll: „Die endgültige Teilung der Partei“. An die Mitglieder der „Partei“ appelliert Fischer: „Und sichern Sie sich jetzt ihre ganz persönlichen 5000 Euro.“

Worum es Fischer und seinen Mitstreitern eigentlich geht, wird eher beiläufig deutlich: „Ich wurde vor kurzem erst als die Frauke Petry der Partei bezeichnet“, sagt er ganz zum Anfang seiner Rede, später fordert er: „Ein Weckruf muss 2015 durch die Partei hallen.“ Gekonnt nimmt Fischer die Selbstzerfleischung der AfD und Bernd Luckes Parteineugründung „Alfa“ aufs Korn – und sorgt ganz nebenbei für Werbung in eigener Sache.

Entgegen kommt der Kommunikationsguerillaaktion der Satiriker, dass ein bisschen Unruhe innerhalb der Partei durchaus möglich scheint. Als Spitzenkandidat Sonneborn 2014 mit 0,6 Prozent der Stimmen einen Sitz im Europaparlament ergattern konnte, versprach er ein Rotationsprinzip. Die 60 Listenkandidaten wolle er je einen Monat durchs Parlament schleusen. Alle sollten vier Wochen das Gehalt plus Übergangsgeld absahnen.

„Wir melken die EU wie einen dieser kleinen südeuropäischen Staaten!“, sagte er damals. Doch der Plan scheiterte an den Statuten des EU-Parlaments. Nun sitzt ausschließlich der Parteivorsitzende im Plenum, direkt neben anderen wenig ernstzunehmenden Politikern wie der AfD-Abgeordneten Beatrix von Storch.

„Sonneborn kann sich in Brüssel schön entspannen, etwas für seine Karriere als Satiriker tun und wird fett bezahlt“, sagt Thomas Schied, der für „Die Partei“ im Stadtparlament von Halle/Saale sitzt und dort eine Fraktionsgemeinschaft mit der Linken gegründet hat.

Als Kritik will er seine Aussage nicht verstanden wissen, doch seine Situation sei grundsätzlich anders. „Aus Spaß ist Ernst geworden“, sagt Schied. Natürlich sei „das Wahlprogramm totaler Quatsch“ gewesen, doch er habe – so wie angekündigt - „alle Versprechen gebrochen“. Schied arbeitet in drei Ausschüssen und im Jobcenter-Beirat der Stadt.

Bundesweit hat die Partei elf Mandate auf Kommunalebene inne. Eine Strategie, wie mit den Posten umzugehen sei, ist jedoch nicht zu erkennen. Aus der Partei habe er für seine Arbeit „null Rückhalt“ erfahren, denn diese „interessiert dort keine Sau“, sagt Schied. Dabei ist er nicht allein. Auch sein Karlsruher Kollege betreibe „richtig ernsthafte Arbeit“, so Schied.

In Köln bewirbt sich der Kriminalbiologe und Forensiker Mark Benecke für die Partei um das Amt des Oberbürgermeisters. Er verspricht „stilettofreundliche Straßenpflasterung“ und überhaupt „alles, was die Bürger wollen“. Eine Hinwendung zum Ernsthaften ist bei ihm nicht zu erwarten. Auf eine vermeintliche Krise der Partei angesprochen, sagt er: „Wir scheißen da einfach drauf. Wir sind dafür da, Rock‘n Roll in der Politik zu machen.“

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