Lebensmittel bei der Drogeriekette dm

Veganz statt Alnatura

Der Rauswurf etlicher Alnatura-Produkte war nur der erste Schritt. Jetzt ziehen die Lebensmittel des veganen Supermarkts Veganz bei dm ein.

Ein Produktregal in einer Filiale von Veganz

Jetzt auch bei dm: Die Supermarktkette Veganz ist schnell gewachsen. Foto: Veganz/Kristof Fischer

BERLIN taz | Der Karlsruher Drogeriemarkt dm verkauft ab sofort Produkte der veganen Supermarktkette Veganz. In vielen dm-Märkten startet der Verkauf am heutigen Montag. 50 Veganz-Artikel würden in zunächst 54 Märkten verkauft, sagte Veganz-Sprecherin Michèle Hengst der taz. 15 Produkte davon stammen aus der Eigenmarke des Spezialhändlers.

Das Veganz-Angebot bei dm sei ein „reines Superfood- und Health-Food-Programm“, sagte Hengst. Es bestehe aus Sportlernahrung wie Energieriegeln, aber auch aus Lebensmitteln, die sogenannte Superfoods beinhalten. Mit diesem Begriff werden meist eher exotische Inhaltsstoffe wie die brasilianische Açai-Beere und die südamerikanischen Chiasamen beworben, denen die Hersteller besondere gesundheitsfördernde Eigenschaften zuschreiben.

Mit diesem Sortiment passt der Supermarkt und Großhändler genau zur neuen Ausrichtung der Karlsruher Drogeriekette. dm wolle „die Gesundheitskompetenz noch deutlicher hervorheben, auch durch glutenfreie und vegane Produkte, die immer stärker nachgefragt werden“, erklärte Erich Harsch, Vorsitzender der dm-Geschäftsführung, im Januar der taz. Damals schien es allerdings, als würde die Kette diesen Anspruch über die neue dm-Bioeigenmarke lösen.

Um deren Einführung hatte es einen heftigen Krach gegeben. Denn zuvor hatte dm vor allem die Lebensmittel des Ökohändlers Alnatura verkauft, der in enger Partnerschaft mit dem Unternehmen stand. Und das sowohl geschäftlich als auch privat – Alnatura-Gründer Götz Rehn teilt nicht nur die anthroposophische Einstellung des dm-Gründers Götz Werner, sondern ist auch dessen Schwager.

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Alnatura und dm lagen im Clinch

Alnatura dürfte einen beträchtlichen Teil seines Umsatzes über die dm-Filialen gemacht haben – doch zugunsten der dm-Eigenmarke sind aus den Drogeriemärkten etliche Produkte verschwunden. Auch die Tatsache, dass dm für seine Eigenmarken-Produkte ausgerechnet mit Alnatura-Lieferanten verhandelte, soll für Knatsch gesorgt haben.

Umso enttäuschender dm Bio: im Großen und Ganzen ähnliche Produkte, ungefähr zum selben Preis – nicht direkt eine Öko-Revolution, für die man es in Kauf nehmen sollte, sich mit befreundeten Handelspartnern zu überwerfen. „Biedermeier-Bio“, so nannte etwa Journalist und Branchenkenner Peer Schader die neue Marke.

Doch die Zusammenarbeit mit Veganz könnte seinerzeit schon geplant gewesen sein. Jedenfalls besteht ein Kontakt schon seit 2014, als die Berliner Kette als Finalist für den Deutschen Gründerpreis von dm-Gründer Götz Werner in einer Patenschaft unter die Fittiche genommen wurde. So habe sich die Partnerschaft ergeben, sagte Veganz-Sprecherin Michèle Hengst.

Kritiker aus der linken Szene

Für das Start-up Veganz ist das ein Glücksgriff – schließlich ist dm mit einem Umsatz von 3,481 Milliarden Euro im ersten Geschäftsjahreshalbjahr die stärkste deutsche Drogeriekette. Wie sich die Veganz-Produkte machen, wird zunächst aber erst in 54 der deutschlandweit rund 1700 Filialen getestet.

Der ehemalige Daimler-Manager Jan Bredack hat Veganz 2011 gegründet. Seitdem ist das Start-up schnell gewachsen. Es hat neun Filialen eröffnet, davon sieben in Deutschland. Außerdem verkauft das Unternehmen auch als Großhändler unter anderem an Edeka. In der linken Szene gibt es allerdings auch viel Kritik an dem Unternehmen, die der Kette unter anderem kapitalistische Profitgier vorwirft.

 

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