Zum Followen gezwungen

Twitter-Hack nervt Promis

Hacker haben in dieser Woche eine Lücke bei Twitter entdeckt, mit der man jeden Nutzer zum "Follower" machen konnte – selbst VIPs. Die verloren kurzzeitig auch noch alle Fans.von BEN SCHWAN

Popsternchen Justin Bieber verfolgte den Twitter-Hack ganz genau.  Bild:  screenshot/twitter.com

BERLIN taz | Der Kurznachrichtendienst Twitter ist mittlerweile zu einem Sprachrohr für zahllose Schauspieler, Musiker und andere mehr oder minder im Licht der Öffentlichkeit stehende Personen geworden. Dort können Oprah Winfrey, Ashton Kutcher, Tom Hanks, Al Gore oder Demi Moore der Welt dann einmal ganz ohne zwischengeschaltete Presse erzählen, was sie gerade denken oder tun.

 

Millionen Mitlesende, im Twitter-Jargon "Follower" genannt, versammeln sie, die an ihren Lippen hängen. Allerdings ist das neue 140-Zeichen-Medium nicht selten eine Einbahnstraße: Viele Stars quatschen zwar laut und vernehmlich den lieben langen Tag, doch beileibe nicht alle antworten ihren Fans auch auf Nachfragen. Umso begehrter ist es für "einfache" Twitter-User, wenn sie selbst Promis zu ihren Followern zählen können.

 

Am Montag war es kurzzeitig möglich, selbst Hardcore-Nichtkommunikatoren wie den Talk-Moderator Conan O'Brien (reguläre Following-Anzahl: 1) dazu zu zwingen, sich sozialer zu geben. Türkische Hacker hatten eine schwere Lücke in der Twitter-Technik entdeckt. Es reichte aus, das Wort "Accept" gefolgt von einem beliebigen Twitter-Namen in die Eingabemaske zu tippen, um einen neuen Follower zu generieren. Dieser nahm den Status dann ganz automatisch an. Der Hack machte schnell die Runde - und insbesondere Promis waren betroffen. O'Brien folgte plötzlich Hunderten anderer Twitterer. Diversen weiteren VIPs ging es nicht anders - von "Dr. Phil" bis Oprah. 

Im Twitter-Hauptquartier wurde kurze Zeit später allerdings reagiert. "Wir haben einen Fehler identifiziert und behoben", hieß es dazu im offiziellen Status-Blog. Das hatte allerdings zunächst einen entscheidenden Nachteil: Alle Follower- und Following-Zahlen wurden zwischenzeitlich auf 0 gesetzt. Sternchen wie die kanadische Teenie-Quietschstimme Justin Bieber, dem üblicherweise fast 2,5 Millionen Fans folgen, wachten mit der schlimmen Nachricht auf. "Ich bin hier in LA aufgewacht und Twitter wurde gehackt. Sieht so aus, als wäre ich nicht mehr populär", klagte er.

Es dauerte noch weitere Stunden, bis Twitter die Follower- und Following-Zahlen wieder auf die alten Werte zurückgesetzt hatte. Allerdings war zum Schluss auch Handarbeit von den Betroffenen gefordert: "Wenn es noch immer Leute gibt, denen Du folgst, ohne dass Du das willst, blockiere oder lösche sie einfach", so Twitter im Status-Blog.

Mittlerweile wurde auch entdeckt, wo der "Bug" herkam: Die "Accept"-Funktion dient normalerweise dazu, Nutzer als Follower zu akzeptieren, wenn man über einen geschützten Twitter-Account verfügt, den nur Freunde sehen können. In diesem Fall scheint sie sich aber auch auf jeden anderen Nutzer ausgedehnt zu haben. Bei Twitter betonte man, dass aufgrund des Fehlers "keine privaten Updates" nach außen gedrungen seien. Trotzdem schrammte der Kommunikationsdienst haarscharf an einer kleinen Katastrophe vorbei: Mit dem Trick hätten auch Spammer, die Twitter für ihre Müll-Botschaften mittlerweile mehr und mehr entdecken, zahllose neue Opfer finden können.

Twitter hatte zuletzt seitens der Nutzerschaft gute Noten in Sachen Verfügbarkeit erhalten. War der Dienst in der Anfangsphase teilweise tagelang kaum zu nutzen und quittierte jeden Nutzungsversuch mit einer berühmt-berüchtigten Fehlerseite ("Fail Whale"), kommt dies inzwischen nur noch recht selten vor - Twitter hat auf technischer Seite auch dank Millioneninvestments von Risikokapitalgebern stark aufgerüstet.

Dafür nehmen allerdings die Angriffe durch Spammer und Online-Gaunern zu. Zuletzt machten Phishing-Mails die Runde, mit denen versucht wird, Accounts zu stehlen, um diese dann für Werbebotschaften zu missbrauchen. Twitter selbst arbeitet unterdessen an einem eigenen großen Reklamesystem, mit dem erstmals signifikante Umsätze für den bislang ohne Gewinne operierenden Kurznachrichtendienst generiert werden sollen. Auch beginnt die Firma damit, mehr Daten zu sammeln als früher - so können User auf Wunsch ihre aktuellen GPS-Koordinaten an Twitter übertragen.

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